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ICARUS Lecture #1: Digitale Schriftkunde

International Centre for Archival Research (ICARUS) -

Die ICARUS 2023 Arbeitsgruppe startete kürzlich eine neue Serie an Online-Veranstaltungen! Am 30. September 2021 hat Dr. Julian Holzapfl – Staatsarchiv München – die Online Plattform „Digitale Schriftkunde„, welche von den Staatlichen Archiven Bayerns in Zusammenarbeit mit LMU München entwickelt wurde, vorgestellt. Dr. Holzapfl zeigte den ca. 10 TeilnehmerInnen die verschiedenen Anwendungen der Plattform und […]

Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Klosterberg, Brigitte (Hrsg.): Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung. (Hallesche Forschungen: 56). Halle: Verlag der Franckeschen Stiftungen Halle, 2021. XXV, 222 S., 21 Abb. ISBN 978-3-447-11479-0; ISS 0949–0086, 52,00 €

Verlagsangabe mit Inhaltsverzeichnis (Pdf) 

 

Abstract der herausgebenden Institution:

Erste wissenschaftliche Annäherung an Historische Schulbibliotheken im Verlag der Franckeschen Stiftungen erschienen

Rezension:

Klosterberg, Brigitte (Hrsg.): Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung. (Hallesche Forschungen: 56). Halle: Verlag der Franckeschen Stiftungen Halle, 2021. XXV, 222 S., 21 Abb. ISBN 978-3-447-11479-0; ISS 0949–0086, 52,00 €. Rezension von Peter Vodosek in: “ Bibliothek Forschung und Praxis, vol. 45, no. 2, 2021, pp. 361-364.  (Online)

Endlich

Über diesen Sammelband hätte ich schon schreiben sollen, als er in diesem Jahr im März erschien und mir vorlag: einen Tagungsband zum von Brigitte Klosterberg 2017 sowohl initiierten als auch geleiteten  Workshop zum Thema: Historische Schulbibliotheken der Frühen Neuzeit. Eine Annäherung. Tagungsbände – insbesondere hochkarätige, zu denen dieser zweifellos gehört – brauchen ja stets ein wenig länger, sowohl bis sie entstehen als auch bis sie gelesen sein wollen.1

Herausgekommen ist ein Band, der die historischen Schulbibliotheken mit ihren Altbeständen und Archiven sowie weitere schulische Sammlungen von Drucken endlich mal als wahre Fundgruben für Forschungsfragen aufgezeigt hat. Die Vielfalt der Zugangsmöglichkeiten anhand der einzelnen Beiträge möge man selbst anhand der oben verlinkten Rezension von Peter Vodosek, der Herausgeberangabe und des vom Verlag als Pdf angebotenen Inhaltsverzeichnisses feststellen können. 

Eine spannende Einleitung

Warum der Tagungsband gegenüber dem Workshop seinen Titel verkürzte, wird aus Brigitte Klosterbergs Einleitung deutlich: ausgehend vom Reformationsjubiläum und von der Motivation, auf die Bestände der Franckeschen Stiftungen in Halle aufmerksam zu machen, erwies sich die Beschränkung auf eine Frühe Neuzeit zwar keineswegs als obsolet, sondern vielmehr als zu erweiternder Ansatz mit dem Blick auf die Dynamiken historisch gewachsener Schulbibliotheken in den folgenden Jahrhunderten.2 Klosterberg untersucht in ihrer Einleitung alle Beiträge auf deren theoretische, methodische und inhaltliche Ansätze hin,  sich dem »wohl am schwierigsten zu definierenden und zugleich am schlechtesten zu rekonstruierenden Bibliothekstypus«3 zu nähern, vor allem auch in grundlegenden Fagestellungen.   Ich versuche, die Überlegungen Klosterbergs4 zu skizzieren:

Die Annäherungen 
  • Erforschung von (in der Frühen Neuzeit anzusetzenden)  Bibliotheks-und Bildungslandschaften: die „Untersuchung der regionalen Strukturen des Schul- und Bildungswesens” mit dem Ziel, „prospektiv eine  Topographie lokaler Schul- und Bibliothekslandschaften”  zu erhellen, auch auf der Grundlage vergleichender Ansätze.5 
  • Funktionen von Schulbibliotheken als bildungshistorischer Ansatz, eine historisch wie komparativ umfangreiche Fragestellung, einschließlich  Buch- und Bildersammlungen für den Schulunterricht seit dem 16. Jahrhundert, nicht nur als reale Orte, sondern auch als imaginierte Räume.6
  • Wandel in der Bedeutungsfunktion von Schulbibliotheken: beginnend mit kleinen, oft lokalen Buchbeständen im Schulzimmer des 16. Jahrhunderts, die sich im 17. und 18. Jahrhundert, besonders durch Schenkungen,  erweiterten und der Öffentlichkeit zugänglich wurden, wandelten sie sich im 19. Jahrhundert in ihrer Funktion zu reinen Lehrerbibliotheken mit bereits für den Unterricht nicht mehr bedeutsamen, museal gepflegten Altbeständen.7
  • Quellen: Die in fünfzehn Kategorien gelisteten Quellen, die in den Beiträgen des Tagungsbands herangezogen wurden, lassen sich in Quellen zur Bestandbeschaffung, einschließlich der Schenkungen8 ausmachen: in historischen Bandkatalogen, so wie darauf basierenden Desideratenkatalogen, Schulschriften aller Art, wie zum Beispiel den Schulprogrammen, Geschichte der jeweiligen Aufstellungsräume, dazu normative Quellen, wie zum Beispiel Schul- und Benutzerordnungen, Leihzettel und Umlauflisten der Bücher wie auch den Unterlagen zu „handelnden Akteuren”,  den Bibliothekaren und Lesern.9
  • Der komparatistischer Ansatz erlaubt, ausgehend von Bildungs- und Bibliothekslandschaften,  sich wandelnen Funktionen und den entsprechenden Quellen, die Rekonstruktion verlorener historischer Schulbibliotheken: Bücher wanderten, Bestände wurden verteilt, ausgelagert, dezimiert, zerstört, deakzessioniert, makuliert – aber eben auch glücklich bewahrt.10

Die oben angeführten Punkte sind Schwerpunkte, die ich persönlich in dem Band und in dem die Tagungsbeiträge untersuchenden Vorwort für mich ausgemacht habe. Brigitte Klosterberg hat in ihrer Einleitung des Tagungsbands aus den Beiträgen die Vielfalt von Zugangsmöglichkeiten zur Erforschung dieses zwar bibliothekswissenschaftlich bekannten, aber von der Wissenschaft  bislang wenig und allenfalls mal hier und da in Einzeluntersuchungen ausgemachten Bibliothekstypus eruiert und mit zahlreichen Belegen aus allen Beiträgen sowie durch  ihr Wissen, unter anderem auch um die Oratorische Bibliothek des königlichen Pädagogiums Halle, vertieft. Ich zitiere aus ihrem Fazit:

Die Vorträge und Diskussionen auf dem Workshop in Halle haben deutlich gezeigt, dass, abgesehen von instruktiven Einzelstudien, die Erforschung historischer Schulbibliotheken noch ganz am Anfang steht. […] Eine Vielzahl der Autorinnen und Autoren in diesem Tagungsband spricht sich für die systematische Erschließung und Erforschung von Provenienzen sowie für die Rekonstruktion historischer Schulbibliotheken auf der Grundlage von Katalogen, Akzessionsjournalen oder Anzeigen von Neuanschaffungen in Schulprogrammen aus. Diese Arbeiten sind zeitaufwändig und nur mit zusätzlichem Personal zu stemmen […]. Auch in dieser Hinsicht sind sicherlich Einzelstudien hilfreich, um komparatistische Studien anzuregen. Doch es bedarf eines exponentiellen Zuwachses an Wissen, der nur in großen Erschließungs- und Forschungsprojekten erarbeitet werden könnte. Dafür müssten lokale Bibliothekslandschaften identifiziert werden, die sowohl über eine exzellente Überlieferung materiell reichhaltiger Bestände und Kataloge von Schulbibliotheken als auch über aussagekräftige Quellen zur lokalen Bildungs- und Schulgeschichte verfügen. […] Letzlich wäre schon viel gewonnen, wenn historische Schulbibliotheken, ihre Geschichte und ihre Bestände überhaupt in bildungs-, wissens-, kultur- und bibliothekswissenschaftlichen Forschungen berücksichtigt und nicht weiter marginalisiert würden. […]11

Diesen Artikel zitieren: Felicitas Noeske, "Historische Schulbibliotheken. Eine Annäherung," in bibliotheca.gym, 11/10/2021, https://histgymbib.hypotheses.org/11279. Anmerkungen
  1. Zur Tagung siehe bibliotheca.gym: Von Bibliothekslandschaft, Bildersaal und Schatzkiste, 2017
  2. Klosterberg, XI
  3. Klosterberg, VII: Zitat Axel E. Walter, Schulbibliotheken im Kontext der frühneuzeitlichen Bibliothekslandschaften, S. 5
  4. Klosterberg, VII–XXV
  5. Klosterberg, XIV
  6. Stefan Ehrenpreis: Frühneuzeitliche Schulbibliotheken und ihre Bildungsfunktion. Sebastian Schmideler: Bildersaal, Kinderbibliothek, Denklehrzimmer. Imaginierte Räume der Anschauung der Kinder- und Jugendliteratur im Kontext der Ralienpädagogik der Frühen Neuzeit, S. 39–49; Klosterberg, XV–XVI
  7. Klosterberg, XVI–XVIII
  8. Klosterberg, XIX
  9. Klosterberg, XIX–XXII
  10. Klosterberg, XVI, XXIV
  11. Klosterberg, XXIV, XXV

Mushackes Deutscher Schul-Kalender 1978/79 online

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Mushackes Deutscher Schul-Kalender erschien seit dem 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg in zahlreichen Jahrgängen. Diese in zweijährigem Turnus in zwei Abteilungen herausgegebenen Publikationen enthielten Aufstellungen alle Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen, namentlich aufgeführt sind Direktoren und Lehrer sowie im Anhang die Zusammenstellung der Artikeltitel und -autoren aus Schulprogrammen nebst Registern, in der jeweils ersten Abteilung findet sich statistisches Material zur Finanzierung der Schulen, Besoldung der Lehrer, Wohngeldzuschüsse etc.

Die für die Erforschung von Schulbildung und dessen Personal im 19. Jahrhundert nützlichen Publikationen werden unterdessen zunehmend als Digitalisate angeboten, Beispiel die Ausgaben 27. und 28. Jahrgang, jeweils zweiter Teil 1878/1879

27. Jahrgang, zweiter Theil,  erste Abtheilung (I)  (Digitalisat via google books)

28. Jahrgang, zweiter Theil,  zweite Abtheilung (II)  (Digitalisat BSB München)

Weitere digitalisierte Ausgaben bietet die BSB in ihrem OpacPlus an. Es lohnt sich unter Umständen auch, in den Beständen einzelner Gymnasialbibliotheken mal nachzuschauen, man kann da fündig werden!1

Als Herausgeber der Schul-Kalender wird von Bibliotheken der Name Eduard Mushacke genannt, der Name taucht überdies im Kontext weiterer Schriften zur Schulverwaltung, zu Prüfungen und Personalentwicklung des deutschen Schulwesens auf.

Biographisches ist auf die Schnelle (heißt: am Computer) nicht zu ermitteln. Ein Eduard Mushacke geistert gelegentlich als Sohn bzw. als Vater von einem (mit Zahlendreher sowohl 1854 als auch 1845) geborenen Hermann durch die Publikationen zu Nietzsche2,  als Freund Max Stirners mal der eine, mal der andere, unterschiedlich verzeichnete Sterbedaten scheinen auch nicht passen zu wollen, und wer wessen Vater bzw. Sohn gewesen sei, bleibt ebenfalls unentschieden.   Mit Schule hatten  diese Mushackes offenbar zu tun; die Deutsche Biographie kennt noch einen weiteren Lehrer und Schriftsteller Bernhard Heinrich Mushacke (1839-?), die DNB weitere Mushackes, durchweg Lehrer, zu Eduard fällt ihr nichts ein. Drolliger Datensalat: Wer genau war der Schulschriften-Eduard und wann hat er wohl gelebt?

Anmerkungen
  1. Ich fand z. B. im Katalog der Bibliothek des Christianeums  Ausgaben  25. Jg. Teil 2, Teubner Leipzig 1876 und Jg. 28 Teil 2 1879   Sign. C 209/2.
  2. Bernd A. Lask: Dissident geblieben.  Wie Marx und Nietzsche ihren Kollegen Max Stirner verdrängten und warum er sie geistig überlebt hat. Ein Versuch über philosophische Konsequenz in der Aufklärung. In: Die Zeit 5/2000.

Anmerkungen zum Wappen von Abt Nikolaus Poch

Archiv des Schottenstifts -

Nach wie vor ist es Usus, dass ein neugewählter Abt eines Klosters ein eigenes Wappen annimmt. Zwar dürfen Personenwappen in Österreich heutzutage nicht mehr geführt werden, geistliche Wappen werden jedoch von staatlicher Seite allesamt als Amtswappen angesehen. Mussten diese zu Zeiten der Habsburgermonarchie noch der Hofkanzlei bzw. dem Innenministerium zur Genehmigung vorgelegt werden, so ist in der Republik Österreich keine Verleihung mehr vorgesehen. Die Annahme eines Abtwappens erfolgt somit schlicht durch seine Veröffentlichung – entweder im Rahmen einer förmlichen Präsentation oder einfach durch seine Verwendung.1

Im Schottenkloster wiesen die Siegel der Äbte ab dem 13. Jahrhundert kleine Wappenschildchen mit unterschiedlichen Darstellungen auf, die wohl als persönliche Wappen anzusehen sind. Das Wappen des Klosters, wie wir es heute kennen, entwickelte sich hingegen erst ab dem Jahr 1464. Die Verbindung von Stiftswappen und Wappen eines einzelnen Abtes – sei es als Allianzwappen, sei es als zusammengesetztes Wappen – ist erstmals bei Abt Johann Schretel (1562–1583) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt.2 In den letzten Jahrzehnten war die Vorgehensweise bei der Entwicklung eines neuen Abtwappens im Schottenstift unterschiedlich. Der Entwurf zum Wappen von Abt Bonifaz Sellinger (1966–1988) stammte vom Heraldiker und Universitätsarchivar Franz Gall, das Wappen von Abt Heinrich Ferenczy (1988–2006) wurde vom in den klösterlichen Sammlungen mitwirkenden Gymnasiallehrer Gerhard Schlass gezeichnet, jenes von Abt Johannes Jung (2009–2021) vom italienischen Heraldiker Marco Foppoli konzipiert.3

Abt Nikolaus Poch wurden nach seiner Wahl am 25. Jänner 2021 vom Stiftsarchiv mehrere Vorschläge für sein äbtliches Wappen unterbreitet. In der Folge wurden Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier, dem Autor dieser Zeilen, sowohl die inhaltliche Gestaltung als auch die graphische Umsetzung des Wappens aufgetragen. Die Präsentation des neuen Wappens erfolgte bei der Abtbenediktion am 25. September 2021. Im Folgenden soll auf einige Aspekte der Wappengestaltung näher eingegangen werden.

Blasonierung

Das Wappen Abt Nikolaus Pochs lässt sich wie folgt blasonieren:

Gespalten: Vorn in Blau auf einem grünen Dreiberg ein goldener einwärts gewendeter Krummstab mit silbernem Pannisellus, querrechts belegt mit einem roten Beutelbuch (Schottenstift). Hinten geteilt: Oben in Grün eine rot umsäumte schwarze Radscheibe mit golden umsäumter roter Nabe und sechs goldenen Speichen, jene drei von der Nabe nach oben und nach schiefunten zum Radkranz gespitzt, die drei übrigen gegengewendet (Radschema des Niklaus von Flüe); unten in Gold zwei schräg gekreuzte schwarze Schlüssel mit dem Bart nach oben und außen (Dornbach).

Über dem Schild rechts die Mitra; hinter dem Schild der goldene schräglinke, einwärts gewendete Krummstab mit silbernem Pannisellus. Unter dem Schild auf einem silbernen Band die Devise „Gloria Dei vivens homo“.

Wappengestaltung

Der Tradition der Abtwappen im Schottenstift entsprechend erscheint auch bei Abt Nikolaus im gespaltenen Wappenschild vorn (heraldisch rechts) das Stiftswappen mit einwärts gewendetem Krummstab, Pannisellus und Beutelbuch. Kurzzeitig alternativ diskutiert und entworfen, letztlich aber abgelehnt wurde eine Schrägrechtsstellung des Pedums, wie sie sich in den Wappen des 16. bis 19. Jahrhunderts meist findet.

Hinten (heraldisch links) ist der Schild geteilt: Oben verweist das Radschema des heiligen Niklaus von Flüe auf den Namenspatron des Wappenführers. Bei diesem Radschema dürfte es sich um eine vereinfachte Darstellung bzw. eine abweichende Interpretation des deutlich komplizierteren Meditationsbildes des Bruders Klaus, das auch als Sachsler Meditationstuch bekannt ist, handeln.4 Bei der Farbgestaltung des eigentlich farblosen Radschemas im Wappen wird daher jene des Meditationsbildes rezipiert. Eine zusätzliche Dimension, die zunächst gar nicht vorgesehen war, erhält die Figur aber auch durch ein Motiv, welches Abt Johannes Perkmann von Michaelbeuern, Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation, Abt Nikolaus im Rahmen der Predigt zu dessen Amtseinführung am 22. März 2021 mit auf den Weg gab: das Bild des Abtes als Nabe eines Rades, welche die einzelnen Speichen der Konventgemeinschaft in der Mitte zusammenhalten müsse.

Links unten verweist das Wappen von Dornbach mit zwei gekreuzten Schlüsseln auf die für Abt Nikolaus persönlich wichtige Herkunftspfarre, in der er in jungen Jahren seine kirchliche Prägung erfuhr. Das Dornbacher Wappen entspricht jenem des Benediktinerstifts St. Peter in Salzburg, welches Pfarrpatron und ehemaliger Grundherr des einstigen Wiener Vororts Dornbach war. In der Wiener Gemeindeheraldik sind die beiden Schlüssel in der seit der Erstpublikation inzwischen geänderten Fassung des Hernalser Bezirkswappens allerdings nicht schwarz, sondern braun.5 Die mögliche Problematik der Verwendung eines mit einem anderen österreichischen Kloster verbundenen Wappenbildes wurde zwar diskutiert, weshalb auch alternative Darstellungen mit verwechselten Farben oder abgewandelten gemeinen Figuren entworfen wurden, letztlich entschied sich Abt Nikolaus jedoch für die traditionellen schwarzen Schlüssel in goldenem Feld. Zum einen sind die gekreuzten Schlüssel ein in unterschiedlichsten Varianten häufig anzutreffendes Wappenbild, das wohl kaum Exklusivität beanspruchen kann, zum anderen lassen Position und Größe dieses Feldes in Relation zum rechten Feld, in welchem das Stiftswappen zu finden ist, ohnedies keinen Zweifel daran, welchem Kloster der Wappenträger vorsteht.

Als Rangzeichen im Oberwappen ist bei persönlichen Wappen kirchlicher Würdenträger grundsätzlich der Hut (Galero) mit Schnüren und Quasten (Fiocchi) vorgesehen. Infulierte Äbte führen an ihrem schwarzen Hut drei Quastenreihen, außerdem steht hinter dem Schild der Krummstab mit Pannisellus. Die Mitra ist demgegenüber inzwischen eigentlich dem Wappen der Abtei vorbehalten. Allerdings ist es im Schottenstift auch in den letzten Jahrzehnten bei Abtwappen weiterhin üblich gewesen, die Mitra anstelle des Huts zu verwenden, was Abt Nikolaus explizit beibehalten wollte. Zudem sollte der Brauch, die Mitra nicht mittig, sondern auf den oberen rechten Rand des Schilds zu setzen, fortgeführt werden.

Als Devise wählte Abt Nikolaus jenen Satz des Irenäus von Lyon, welchen er bereits seiner Tätigkeit als Pfarrmoderator in St. Ulrich vorangestellt hatte: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ (Adversus haereses 4,20,7). Diese Devise scheint im Wappen unterhalb des Schilds in einem Spruchband in lateinischer Sprache auf: „Gloria Dei vivens homo“.

Graphische Umsetzung

Bei der Wappengestaltung geht es primär um die Entwicklung eines Konzepts, das den Regeln der Heraldik entspricht und mittels der normierten heraldischen Fachsprache beschrieben werden kann. Die graphische Umsetzung ist demgegenüber sekundär und kann, solange sie sich nach der korrekten Blasonierung richtet, jeweils ganz unterschiedlich ausfallen. Trotzdem ist es für die Präsentation und weitere Verwendung in der Praxis erforderlich, einen Urtyp graphisch zu gestalten. Auch hierzu wurden einige allgemeine und spezielle Überlegungen angestellt.

So wählte Abt Nikolaus etwa als Schildform für den Wappenschild bewusst die klassische halbrunde spanische Form. Im Stiftswappen ist das Pedum möglichst schlicht gehalten und weist eine einem wirklichen Hirtenstab entsprechende Krümmenform auf. Der Pannisellus hängt nicht schlaff vom Krummstab herab, sondern weht wirklich im Wind, was auch – zumindest in seiner Intention, wenn schon nicht in seiner Ausrichtung – dem seit etwas mehr als 20 Jahren gebräuchlichen Stiftslogo entspricht. Das Beutelbuch soll einerseits als solches wirklich erkennbar sein, ist aber andererseits den heraldischen Regeln entsprechend stärker als in manch bisherigen Stiftswappen stilisiert und nicht dreidimensional mit Spangen ausgeführt; anstelle eines am Buchdeckel häufig anzutreffenden Kreuzes weist es einen kreuzförmigen Mittelbeschlag sowie vier runde Eckbuckel auf. Für den Dreiberg entschied sich Abt Nikolaus anhand einiger unterschiedlicher Entwürfe für eine einfache schrägovale Ausführung. Entgegen der in der Erzabtei St. Peter üblichen Darstellung der gekreuzten Schlüssel mit gotischen Vierpassreiten sind die Ringe jeweils als Dreipass ausgeführt, die Bärte weisen eine einfache kreuzförmige Aussparung auf. Im Oberwappen ist die Mitra in einer sehr reduzierten Form ohne spezielle Ornamentik oder aufgesticktes Kreuz, aber immer noch mit goldenem Circulus und Titulus gezeichnet. Die Form des Pedums entspricht ganz der bereits im Wappenschild verwendeten einfachen Form. Die Infuln der Mitra und der Pannisellus des Pedums bilden optische Gegengewichte.

Das neue Wappen wird in Zukunft wohl vorrangig auf dem Briefpapier und anderen Drucksorten des Wappenträgers sowie auf seinem Siegel Verwendung finden.6 Doch wer weiß schon, welche Vorhaben Abt Nikolaus in seiner Amtszeit verwirklichen wird – und wo sich die Gelegenheit bieten wird, sein Wappen anzubringen?

  1. Vgl. Franz Gall, Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft (Wien–Köln–Weimar 31996) 19f. – Zur kirchlichen Heraldik ist das Standardwerk Bruno Bernhard Heim, Heraldry in the Catholic Church. Its Origin, Customs and Laws (Buckinghamshire 21981); in deutscher Sprache zuletzt auch Simon Petrus, Heraldisches Handbuch der katholischen Kirche (Regenstauf 2016).
  2. Vgl. Aleš Zelenka–Walter Sauer, Die Wappen der Wiener Schottenäbte (Wien 1971).
  3. Heinrich Ferenczy, Vom Stifts-Wappen zum Schul-Logo … Teil V: Äbtewappen, in: Schottillion Nr. 6 (2003) 11, auch online unter https://www.schotten.wien/schottillion/6.pdf; Georg Kugler, „Insignia Convent. B.M.V. ad Scotos Viennae“. Wappen in der Schottenkirche (1): Stiftswappen und Äbtewappen (Kunst in der Schottenkirche 14), in: Schottenpfarrblatt Nr. 29 (2009) 3, auch online unter https://www.schotten.wien/pfarrblatt/Pfarrblatt_Nr29.pdf.
  4. Vgl. Werner T. Huber, Das Sachsler Meditationstuch. Speculum Humanæ Salvationis – Ein Spiegel des christlichen Lebens (1981–2021), https://www.nvf.ch/rad1.asp.
  5. Vgl. Art. Hernals (Bezirkswappen) (zuletzt geändert 18.9.2020), in: Wien Geschichte Wiki, https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hernals_(Bezirkswappen).
  6. Für letzteres wurde, um einen klareren Abdruck des Siegelstempels zu ermöglichen, lediglich auf den Wappenschild zurückgegriffen, Oberwappen und Devise wurden hingegen weggelassen. Zusätzlich erhielt der obere Rand des Schilds eine leichte Wölbung, um sich besser in die runde Form des Siegels einzupassen.

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