Külföldi egyházi levéltári hírek

ICARUS-Convention in Sittard/NL – verschoben auf 2021

International Centre for Archival Research (ICARUS) -

Sehr geehrte KollegInnen, aufgrund der derzeitigen gesundheitlichen Krise sehen wir uns gezwungen, die für 8.-10. Juni 2020 geplante ICARUS-Convention in Sittard/NL auf das Frühjahr 2021 zu verschieben. Die nächste planmäßige ICARUS-Convention findet von 19.-21. Oktober 2021 in Ludwigsburg/DE statt – wir hoffen, dass bis dahin der Höhepunkt der Krise überwunden und das Leben zu einer […]

Erstnennung der Wiener Stephanskirche

Archiv des Schottenstifts -

Der Ursprungsbau des Wiener Stephansdoms entstand bereits Mitte des 12. Jahrhunderts, in Schriftquellen finden sich aber lange Zeit keine oder nur indirekte Hinweise auf dieses neue Kirchengebäude.1 Die älteste dezidierte Nennung der Kirche mit ihrem Stephanus-Patrozinium datiert vom 30. März 1220 und findet sich in einer Urkunde des Schottenstifts.

Urk 1220-03-30

Der österreichische Herzog Leopold VI. beurkundet darin eine Schenkung des Grafen Konrad von Hardegg von Weingärten und Äckern zu Pulkau an das Schottenkloster. Ausstellungsort der Urkunde ist dabei die Wiener Stephanskirche (Actum publice in ecclesia sancti Stephani Wienne).

Urk 1220-03-30 (Ausschnitt)

Zwar mag der Stephansdom also um einiges älter sein, namentlich ist er aber im heurigen Jahr 2020 genau seit 800 Jahren belegt!

Die Urkunde kann derzeit bis Ende Juni 2020 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

  1. Zuletzt zu diesem Thema: Ferdinand Opll, Die Wiener Stephanskirche vor ihrer Erstnennung, in: Studien zur Wiener Geschichte. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 75 (2019) 153–179.

Malbücher!:-)

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Wer erinnert sich nicht an sein gutes altes Malbuch? Nun sind Bibliotheken darauf gekommen,  Holzschnitte aus ihren historischen Beständen fürs Ausmalen zu publizieren:

• https://twitter.com/hashtag/colorourcollections?f=live
• https://hypebeast.com/2020/3/museums-libraries-free-downloadable-coloring-books

(gefunden bei Archivalia)

Das wäre doch eine schöne Sache auch für Gymnasialbibliotheken, ihre Bestände an Inkunabeln und Frühdrucken auf für Malbücher geeignete Holzschnitte hin zu durchforsten und zum Beispiel als Biblio-Malbücher beim schulischen Weihnachtsbasar (der kommt bestimmt..!) zu präsentieren. Ein Original  wie zum Beispiel oben aus einem Druck von 1497 sollte man allerdings nicht für künstlerische Versuche zur Verfügung stellen.

Siehe auch:

https://twitter.com/hashtag/colorourcollections?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Ehashtag

Beitragsbild:

Stultifera Navis (Lateinische Übersetzung von Sebastian Brants Narrenschiff, besorgt von Jakob Lochner). Straßburg: Johann Grüninger, 1497; fol. 86r (Detail). Bibliothek des Christianeums, Sign. S 51/9

Hashtag #closedbutopen

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Was unter dem Hashtag #closedbutopen bei Twitter eher als Sammelsurium von allerlei Angeboten virtueller Bespaßung von geschlossenen Institutionen , Theatern, Museen nebst allerlei Kmmentaren daherkommt, findet sich bei Archivalia bereits gesichtet und sortiert.  Bei netbib lohnt der Besuch immer, da gibt’s auch ganz ohne Hashtag Interessantes aus der nicht nur bibliothekarischen Kulturwelt zu entdecken, wie zum Beispiel eine Gratisvorstellung von Renate Spingler,  Mezzosopranistin an der Hamburgischen Staatsoper.

Beitragsfoto: F. Noeske (2020,  CC BY-SA 4.0)

“Schule als Erinnerungsort”

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Meine alte Schule heute (Quelle + Lizenz)

[…] Schulen sind stets relevanter als Bahnhöfe. Sie sind lieux de mémoire unserer Lebenswelt, denn wir sind immer auch – je älter, desto intensiver – in Schul-Geschichten verstrickt (frei nach Wilhelm Schapp), die sich in unserem Gedächtnis festhaken, nicht loslassen, uns immer wieder beschäftigen.  […]

Gefunden bei:  Archivalia

 

“Näheres zur Leihbibliothek des Internet Archive und eine Anmerkung zu Schulbibliotheken”

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Gefunden bei Archivalia:

[…] Die High School in Massachusetts gilt als eine der besten in den USA. Da gehen einem die Augen über, wenn man sieht, dass die Schulbibliothek, die einen Link auf der Startseite hat, nicht weniger als 172 – überwiegend ausgezeichnete – Datenbanken für ihre Schüler*innen lizenziert hat. […] Ich habe mir von den Top 20 Schulen des Schulpreises die zwei am Namen kenntlichen Gymnasien herausgepickt. Das Aschaffenburger Gymnasium hat wenigstens eine Seite für die Schulbibliothek, auf der man dann auf zwei Angebote der lokalen Stadtbibliothek weiterverwiesen wird (Munzinger und Genios). Das TWG Dillingen hat eine Bibliothek, aber dazu gibt es auf der Website nichts! Wie sieht es denn mit den Preisträgern 2020 aus? Das Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium Münster hat ebenfalls nichts zur Bibliothek auf der Website. Einer der Sieger von 2017, das Gymnasium Kirchheim in Bayern, hat zwar eine schauderhafte Website, aber sagt nichts über eine Schulbibliothek. Der Deutsche Bibliotheksverband bewertet Deutschland bei Schulbibliotheken als „Notstandsgebiet“, sagt die Wikipedia. […]

Vielleicht auch interessant für Gymnasialbibliotheken mit historischem Altbestand.

Absage der Tagung „6th Croatian ICARUS-Days“ in Rijeka/HR

International Centre for Archival Research (ICARUS) -

Sehr geehrte Kollegen, aufgrund der momentanen Umstände sahen wir uns gezwungen, die Veranstaltung „6th Croatian ICARUS-Days“ in Rijeka, Kroatien, zwischen 25. und 27. März 2020, abzusagen. Wir bitten um Verständnis und hoffen, die Tagung zu einem anderen Zeitpunkt nachholen zu können! In der Zwischenzeit wünscht Ihnen das Team von ICARUS alles Gute und Kraft für […]

Neue Publikation: Monastica Historia 4

Diözesanarchiv St. Pölten -

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Der vierte Band der Reihe Monastica Historia ist aus der Tagung mit dem Titel Orden und Stadt, Orden und ihre Wohltäter hervorgegangen, die am 24.-26. September 2018 in Telč (Teltsch) stattfand. Die Tagung wurde zu einem Fragenkomplex veranstaltet, der eng an das Projektthema Teltsch und die Jesuiten gebunden war. Das Teltscher Kolleg und das Tertiatshaus wurden 1651 von Franziska Slawata von Meggau gegründet.

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Die Bibliothek des Verdener Bürgermeisters Pfannkuche

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Gymnasialbibliotheken, vor allem die städtischen Gründungen der Frühen Neuzeit, waren durchweg nicht nur für Eleven und deren Professoren, sondern auch für die Bürger geöffnet.  Neben den Kirchen- und Ratsbibliotheken, die vorwiegend theologische bzw. rechtskundliche Schriften bewahrten, versorgten die Schulbibliotheken seit dem 17. Jahrhundert die städtischen Bürger mit philologischen Werken. Die Öffentlichkeit der Bestände machte dieser Bibliotheken zum interessanten Nachlassziel für Büchersammler, die für ihre Privatbibliotheken keine Erben hatten und mit einer Schenkung ans örtliche Gymnasium academicum ihre Namen als die geachteter Donatoren  unsterblich machten. So hütet zum Beispiel  die Bibliothek des Ratsgymnasiums in Bielefeld die Sammlung des preußischen Historikers Johann Wilhelm Löbell (1786–1863) und das Domgymnasium in Verden die Sammlung des Verdener Bürgermeisters Christoph Gottlieb Pfannkuche (1785–1868).

Pfannkuche , der selbst die Verdener Domschule besucht hatte, vermachte seine Bibliothek der Anstalt mit Testament vom 22. Mai 1863.  Nach seinem Tod 1868 wurde die Sammlung im Zuge eines Neubaus der Schule zunächst in die bereits vorhandene Bibliothek eingearbeitet und geriet dadurch im Laufe der Zeit als Sondersammlung  in Vergessenheit. Nun hat das Domgymnasium Verden diese einst private Bibliothek erstmals erschlossen und publiziert:

Domgymnasium Verden (Hrsg.): Die Bibliothek des Verdener Bürgermeisters Pfannkuche. Rekonstruktion eines kulturellen Erbes. Einführung und Katalog: Hartmut Bösche. Verden 2019. 140 Seiten. € 25,- ISBN 978-3-946166-15-3

Der Band wurde vom Domgymnasium Verden, verteten durch die Schulleitung, herausgegeben. Hartmut Bösche, ehemaliger Domgymnasiast, besorgte gemeinsam mit Ehemaligen und dem Leiter der historischen Bibliothek, Reinhard Nitsche, die Erfassung der über die Zeit in der alten  Bibliothek verstreuten Bücher Pfannkuches; die Schulleiterin, Frau Dr. Dorothea Blume, outet sich in ihrem Geleitwort als eine der „Bücherdetektive” (S. 7).

Die Exemplarliste wird eingeleitet von Hartmut Bösche: Christoph Gottlieb Pfannkuche (1785–1868). Ein Leben in Büchern. Mit Hilfe von Dokumenten  des Stadtarchivs Verden und des Niedersächsischen Landesarchivs Hannover – dessen Abteilung in Stade die Handschriften aus dem Besitz Pfannkuches verwahrt – versucht Bösche zum Beispiel  anhand von Auktionskatalogen nachzuzeichnen, wo Pfannkuche wann welche Werke erwarb und welches Interesse sich daraus jeweils ableiten lässt.

Christoph Gottlieb Pfannkuche, geboren und gestorben in Verden, hatte in Göttingen Rechtswissenschaften studiert, war nach kurzem Ausflug in ein Advokatendasein in seine Heimnatstadt zurückgekehrt und wurde dort Senator und Richter. Nach der Franzosenzeit wurde er 1837 zum Bürgermeister gewählt und erhielt ein Jahr später den Titel eines Landrats. Nach seiner Pensionierung 1855 widmete er sich der Geschichte seiner Stadt, über die er eine zweibändige Darstellung verfasste.

Johannes Calvin: Acta Synodi Tridentinae, Genf 1547 (Historische Bibliothek des Domgymnasiums Verden)

Die Liste seiner Gedruckte[n] Bücher enthält jeweils Verfasser, Titel, Erscheinungsort und -jahr; nach letzterem ist der Katalog geordnet. Das älteste Exemplar in Pfannkuches Sammlung, ein Lucanus-Druck, stammt aus Venedig, gedruckt in der Manutius-Offizin 1515; das jüngste erschien 1867. „Die  Signaturen”, so heißt es einleitend (S. 11), seien „innerhalb der heutigen Ordnung der Historischen Bibliothek […] im Domgymnasium belegt und dort zu erfahren. Bibliografische Daten zu den einzelnen Titeln können im Internet in den Verbundkatalogen GVK und KVK abgerufen werden.”

Friderich Martens: Spitzbergische oder Groenlandische Reise Beschreibung gethan im Jahr 1671, Hamburg 1675 (Historische Bibliothek des Domgymnasiums Verden)

Der “angemessen bibliophilen Form” (Geleitwort) des privat und durch Verdener Institutionen gesponserten Katalogs wird Rechnung getragen durch schöne Abbildungen und genauere Beschreibung einzelner Bücher. So wird zum Beispiel Friderich Martens’ Spitzbergische oder Groenlandische Reise Beschreibung  gethan im Jahr 1671  (gedruckt in Hamburg 1675), die gut 150 Jahre die Vorstellungen vom Nordmeer bestimmte, auf gleich zwei Seiten vorgestellt. Pfannkuches handschriftliches Testament wird als Scan mit Transkription ebenso aufgenommen wie ein Abdruck der 37 Seiten einer Veröffentlichung vom Herrn Senator Pfannkuche daselbst  von 1822 mit dem Titel: Ueber die ehemalige Reichsunmittelbarkleit der Stadt Verden, der den Abschluss des Bandes bildet.

Siehe auch

Schlagwort Verden bei bibliotheca.gym

Beitragsbild

Umschlagbild (Detail), mit freundlicher Genehmigung der Historischen Bibliothek des Domgymnasiums Verden.

Weblinks

Marie Lührs: Historische Bibliothek: Pfannkuches Erbe. In: Weser-Kurier, 27. September 2019.

Markus Wienken: „Ein Leben in Büchern“: Das kulturelle Erbe von Pfannkuche. In: kreiszeitung.de, 10. September 2019.

Krause: Pfannkuche, Christoph Gottlieb. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 25, Duncker & Humblot, Leipzig 1887, S. 605 f.

Diesen Artikel zitieren: Felicitas Noeske, "Die Bibliothek des Verdener Bürgermeisters Pfannkuche," in bibliotheca.gym, 06/03/2020, https://histgymbib.hypotheses.org/8647.

 

03.-05.04.2020, Halle/Saale: 10 Jahre Matricula, 30 Jahre Compgen, 5 Jahre Archion

Diözesanarchiv St. Pölten -

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Die Jubiläumstagung steht unter dem Motto:

"Das zugängliche Archiv: Geschichtliche Familienforschung als digitale Bürgerwissenschaft"

Im Oktober 2019 besteht der Verein 30 Jahre. Grund genug, dieses Jubiläum ordentlich zu feiern!

Alle Einzelheiten rund um das Festwochenende sowie auch das umfangreiche Veranstaltungsprogramm finden sich auf der CompGen-Webseite:

https://www.compgen.de/das-zugaengliche-archiv/

 

27.-29.02.2020, Broumov: Tagung "Monastic Libraries between the Middle Ages and the Enlightenment"

Diözesanarchiv St. Pölten -

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Diözesanarchiv St. Pölten, Universität Königgrätz und Kloster Broumov veranstalten eine Tagung zum Thema "Klösterliche Bibliotheken zwischen Mittelalter und Aufklärung".

Call for papers (abgelaufen): http://www.dasp.at/sites/dasp.kirche.at/files/images/MH_V_CFPneu.pdf

Programm folgt

 

28.09.-01.10.2020, Kloster Želiv: Monasteria Abolita - Klosteraufhebungen vom 18. bis zum 20. Jhdt.

Diözesanarchiv St. Pölten -

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Konfiskation, Enteignung oder bloße Einziehung von klösterlichem Eigentum (beweglich und unbeweglich) sind Phänomene, die sich über die gesamte Existenzgeschichte dieser institutionellen Einheiten der katholischen Kirche erstrecken. Im Laufe der Geschichte waren teils nur bestimmte Gemeinschaften (wie zu Beginn des 14. Jahrhunderts der Templerorden) betroffen, teils ganze Gruppen (wie während der Josephinischen Reformen in der Habsburgermonarchie vorwiegend die kontemplativen Häuser) oder sogar konsequent die Gesamtheit aller, wie in Preußen in der Zeit des sog.

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Doktor Jorge und die Gymnasialbibliothek

Gymnasialbibliotheken und -archive -

In Literatur und Kintopp ist die geheimnisvoll umwitterte Bibliothek ein Topos. Als Urform der Universalbibliothek bildete die Bibliothek von Alexandria Legenden, so z. B. die heute bezweifelte Geschichte ihrer Zerstörung durch einen Großbrand im Jahr 48 v. Chr. Im Jahr 1963 wird im  Hollywood-Film Cleopatra der römische Feldherr Julius Caesar diesen Brand verursacht haben. In Gustave Flauberts Erzählung Bücherwahn  (1836) treibt ein bibliophiler Sammler mit einer verborgenen Bibliothek sein mörderisches Unwesen; in den Harry-Potter-Unterhaltungsromanen der 1990er/2000er Jahre enthalten dicke alte Schwarten der Zauberschule magische Formeln.

Die heute  vermutlich bekannteste Geschichte stammt von 1980, verfasst von dem italienischen Wissenschaftler und Schriftsteller Umberto Eco (1932–2016): Il nome della rosa (dt. Der Name der Rose, 1982). In dem Mittelalter-Roman  geht es um ein geheimnisvolles, Mönche mordendes Buch aus der Klosterbibliothek, die am Schluss in einem gewaltigen Showdown vom blinden Bibliothekar Jorge vollständig und mit ihm selbst darinnen abgefackelt wird. Die Figur des Jorge ist Ecos Hommage an Jorge Luis Borges (1899–1986), den argentinische Schriftsteller des Magischen Realismus und langjährigen Direktor der Nationalbibliothek in Buenos Aires. In seiner Erzählung Die Bibliothek von Babel (1941) beschwor Borges die Magie der Universalbibliothek.

Seit neuestem finden wir einen Jorge auch in der historischen Gymnasialbibliothek unserer Gegenwart, und zwar in Gestalt des Dr. Anton Hierlinger, Hüter einer Alten Bibliothek in einem bayerischen Gymnasium; der „schrullige Studienprofessor” (so ein Klappentext) geistert unterdessen durch drei Theaterstücke und einen ersten Roman.

Verfasser ist Hans Irler, geboren 1969 in Regensburg. Irler promovierte über den Minnesänger Heinrich von Morungen und unterrichtet Deutsch und Geschichte am Johannes–Turmair-Gymnasium in Straubing – eine Schule mit einer historischen Gymnasialbibliothek, die Irler leitet.1 Für die ebenfalls von ihm geleitete Theatergruppe der Schule hat er Stücke geschrieben: Die Hierlinger-Trilogie.2

Irler sieht auf dem Verlagsfoto  aus wie Harry Potter mit 50.3 Seinem Dr. Hierlinger verleiht er Züge von Borges – in einem Stück lässt Hierlinger längst vergangene Geschichten aus der Schule vor den Augen seiner jugendlichen Besucher lebendig geschehen – , in einem anderen hat Hierlinger im Archiv eine magische Brille gefunden, mit der seine Schüler in eine andere Zeit sehen und reisen können, eine Anspielung auf Ecos blinden Jorge?

Vor zwei Jahren legte Hans Irler seine erste längere Erzählung um Dr. Anton Hierlinger und seine Alte Bibliothek vor:

Hans Irler: Treppe in die andere Zeit. Roman. SüdOst Verlag in der Battenberg Gietl Verlag GmbH, Regenstauf 2018. 288 Seiten, € 16, 90. ISBN 978-3-95587-722-4.

Der unterdessen pensionierte „schrullige Studienprofessor” Hierlinger versorgt 2015 weiterhin die nunmehr vergessene Alte Bibliothek unterm Dach. Hinter einer Geheimtür führt eine versteckte Treppe direkt ins Jahr 1914,  die neugierige Schülerin Hannah und ihre Freundin Anna-Lena machen sich auf den Weg. Sie bleiben am Fuß der Treppe in ihrer Schule – sind dort aber  über 100 Jahre zuvor gelandet. Die Treppe funktioniert auch andersherum, so dass ihre neuen Schüler-Bekanntschaften Karl und Josef nun die Zukunft erkunden können, so wie die Mädchen die Vergangenheit. Der Beginn des Ersten Weltkriegs und die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 werden vom Erzähler geschickt verknüpft und damit wird die Handlung zugespitzt, deren Fortgang, eine Liebsgeschichte gibt es auch, nicht verraten wird. Am Ende verwehrt Dr. Hierlinger dem geschichtsignoranten Schulleiter vehement das Wegschaffen der alten und angeblich überflüssigen Bücher: Dr. Jorge, nein: Hierlinger schließt sich ein in die Bibliothek, verbarrikadiert sie mithilfe einer Bücherlawine (nein, er zündet sie nicht an) und verschwindet als eine Art  leuchtend grüne Discokugel mitsamt der Vergilbüste durchs geschlossene Fenster in die unendlichen Weiten des nächtlichen Universums. Die Treppe hinter der Geheimtür ist für immer verschwunden.

Die Geschichte ist dramaturgisch gekonnt angelegt,  sie wird flott und liebevoll erzählt und ist nicht nur etwas für junge Leute.4 Wer Schulbibliotheken mit historischen Altbeständen kennt oder gar geleitet hat oder leitet, dürfte gelegentlich sein leicht hinterlistiges Vergnügen haben.

Auf der Homepage des Turmair-Gymnasiums findet sich eine von Schülern produzierte Fotofolge aus der Historischen Bibliothek der Anstalt. Schaut man sich die genauer an, kommt man nicht umhin, in der Umschlagcollage der Romanausgabe im Hintergrund Irlers Bibliothek zu erkennen.

Beitragsbild

Bibliothek des Francisceums in Zerbst. Foto: Concord (Quelle + Lizenz)

Abbildung

Buch auf Parkett. Foto: F. Noeske (Lizenz)

Anmerkungen
  1. Homepage des Turmair-Gymnasiums: Historische Bibliothek, Staatliche Bibliothek; siehe auch: Fabian Handbuch der historischen Buchbestände, Historische Bibliothek des Johannes-Turmair-Gymnasiums
  2. Die Hierlinger-Trilogie im Deutschen Theaterverlag, mit dem Vertrieb von Rollenbüchern und jeweiligen Textproben der Stücke
  3. Homepage Hans Irler
  4. Vergleiche dazu die Pressestimmen zu „Treppe in die andere Zeit”,  zusammengestellt auf der Homepage von Hans Irler

Grüße aus dem Lesesaal: Historische Bibliothek Rastatt

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Endermann, Heike (2019): Die Historische Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-­Wilhelm-Gymnasium. In: Zeitarbeit: Aus- und Weiterbildungszeitschrift für die Geschichtswissenschaften 1, S. 59-63. (Pdf, DOI)

Piaristenkolleg Rastatt. Zeichnung. Stadtarchiv Rastatt K 1766 (Standort der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt) Um 1736

Über die Schätze  der  Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt, die im 18. Jahrhundert in einem Piaristenkolleg entstand, informiert bereits ein Wikipedia-Artikel. Bei bibliotheca gym, aber auch im Blog Archivalia, wurde schon über diese bemerkenswerte historische Schulbibliothek berichtet.1

Ende vergangenen Jahres erschien ein Aufsatz der Leiterin der Bibliothek Heike Endermann in einer neuen Zeitschrift namens  Zeitarbeit, herausgegeben von Hiram Kümper, Historisches Institut der Universität Mannheim; Kümper besetzt dort den Lehrstuhl für Geschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Die Zeitschrift erscheint zwei Mal im Jahr open access, mit der Heimstatt auf den Servern der Universitätsbibliothek Mannheim; deshalb mag jeder gern den Links oben folgen und den Artikel von Endermann selbst lesen.

Interessant finde ich die Rubrik: Grüße aus dem Lesesaal. Die Redaktion denkt sich diese so:

Wir stellen Archive, Bibliotheken und manchmal auch museale Sammlungen vor. Dabei geht es darum, auf die Bestände aufmerksam zu machen und über die Möglichkeiten der Nutzung zu informieren. Kurz: Wie mit jeder guten Postkarte aus dem Urlaub wollen wir dazu anregen, doch auch mal vorbeizu schauen.[…]

Man avisiert, dass man “kleinere Grüße aus den Lesesälen der Republik (und manchmal sogar darüber hinaus)” auch bei Facebook versende. Für die größeren – wie am Beispiel Rastatt auch bebildert, u.a. mit einer Handschrift, die noch unediert ihrer Erforschung harrt,2  – sind fünf Fragen zu beantworten:

• Was gibt es bei Euch zu finden?
• Welche ganz besonderen Stücke oder Bestände gibt es bei Euch?
• Was läuft sonst noch im Umfeld des Hauses?
• Wie kann ich mich informieren?
• Wie und wann kann ich kommen?

Dann mal los, Ihr Gymnasialbibliotheken, die Ihr hier mitlest: Hiram Kümper in Mannheim wartet auf Eufe Beiträge!

Beitragsbild

Großer Lese- und Vortragssaal der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-­Wilhelm-Gymnasium. Foto: Historiograf (Quelle + Lizenz)

Anmerkungen Diesen Artikel zitieren: Felicitas Noeske, "Grüße aus dem Lesesaal: Historische Bibliothek Rastatt," in bibliotheca.gym, 03/03/2020, https://histgymbib.hypotheses.org/8732.
  1. Felicitas Noeske, “Die Historische Bibliothek der Stadt Rastatt,” in bibliotheca.gym, 15/04/2018, https://histgymbib.hypotheses.org/3142.; Klaus Graf,  “Aus Handschriften und Inkunabeln der Historischen Lehrerbibliothek des Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums Rastatt,” in Archivalia, 15/11/2012, https://archivalia.hypotheses.org/8192.
  2. Bildbegleittext: «Gerardus de Vliederhovens „Die vier jüngsten Dinge“ (Sig. K 7), ein Erbauungstraktat aus dem 15. Jahrhundert über das Ende der Welt und der Jüngste Gericht. „Gedenk din letsten zyt, so sundestu ewenclich numer“, beginnt dieser Text, der noch gänzlich unediert ist und der Untersuchung harrt.» (Endermann 1/2019)  Das Pdf liefert im Vergrößerungsmodus eine angemessene Größe dieses Blattes, so dass eine erste Inaugenscheinnahme online möglich ist.

Digitalisat von Terenz-Handschrift online

Archiv des Schottenstifts -

Seit kurzem ist eine weitere Handschriften des Schottenstifts online im Webportal „Manuscripta.at – Mittelalterliche Handschriften in Österreich“ als Volldigitalisat frei einsehbar: Cod. 212 (Hübl 218) wurde Mitte des 15. Jahrhunderts in Wien geschrieben und enthält die Komödien des antiken römischen Dichters Publius Terentius Afer.

Die Digitalisate scheinen bereits vor 15 Jahren angefertigt worden zu sein, wurden jedoch erst jetzt auf einer CD-ROM wiederentdeckt und an das Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur Online-Stellung weitergegeben!

Acht Volldigitalisate von Handschriften des Schottenstifts finden sich bereits seit 2017 auf Manuscripta.at, weitere Digitalisierungen sind nach Maßgabe der Möglichkeiten des Archivs geplant.

Minden: Geschichte einer Gymnasialbibliothek

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Rainer Kregel: Geschichte der Gymnasialbibliothek Minden. In: Westfälische Zeitschrift 139, 1989; S. 275–323. (Pdf; Viewer)

Die gut 30 Jahre alte Darstellung verdeutlicht, wie sich Gymnasialbibliotheken gleichsam auflösten im Zuge von Modernisierungen, hier bereits im 19. Jahrhundert, wie schwierig es in den 1920er Jahren wurde, die Bestände zu erfassen und zu versorgen, und wie die Bestände nach dem Zweiten Weltkrieg in “Leichenkellern” und auf Dachböden zunächst vergessen (Kregel, 321) und letzendlich dann verlagert wurden.

Ca. 9000 Exemplare an Altbeständen wurden 1974 dem Stadtarchiv Minden übergeben, dort lediglich aufbewahrt und erst  ab 1985  im Zuge der Umwandlung zum Kommunalarchiv angemessen aufgestellt und erfasst.

Der Internetauftritt des Ratsgymnasiums Minden kann eine stolze Chronik ab 1530 verzeichnen; eine Bibliothek, die dermaleinst im “Leichenkeller” landete, erwähnt die Chronik nicht. Das 1896 gegründete Besselgymnasium Minden, das Altbestände übernommen hatte und auf dem Dachboden vergaß, hat auf seiner Homepage gleich gar keinen Hinweis auf seine Geschichte.

Beitragsbild:

Ratsgymnasium Minden (Foto: TUBS, Quelle + Lizenz)

Zwei Autographe Ludwig van Beethovens

Archiv des Schottenstifts -

Im heurigen Jahr wird allerorts des 250. Geburtstages des Komponisten Ludwig van Beethoven (1770–1827) gedacht. Dem kann sich auch das Schottenstift nicht entziehen!

Im Archiv des Schottenstifts finden sich im Nachlass von P. Andreas Oberleitner (1789–1832), Mönch des Schottenstifts und Universitätsprofessor für orientalische Sprachen, zwei eigenhändige Schriftstücke Beethovens, ein Brief und ein Notenblatt. Diese sind derzeit im Rahmen einer Sonderpräsentation im Museum im Schottenstift zu sehen. Oberleitner erhielt die beiden Stücke auf eigenes Bitten hin von Beethovens Sekretär und späterem Biographen Anton Schindler (1795–1864).

Scr. 165/166 Nr. 18 m)
Brief Anton Schindlers an P. Andreas Oberleitner (6. Juli 1830, Ausschnitt).

Der autographe Brief Beethovens vom 22. Mai 1823 steht im Zusammenhang mit dem sogenannten „Neffenkonflikt“ Ludwigs mit seinem Neffen Karl van Beethoven (1806–1858; mehr dazu auf Wikipedia). Schindler geht in seinem Brief an Oberleitner oberflächlich auf die Umstände ein.

Scr. 165/166 Nr. 18 n)
Brief Ludwig van Beethovens an Karl van Beethoven (22. Mai 1823).

Das autographe Notenblatt scheint Schindler Oberleitner erst zu einem späteren Zeitpunkt zugesandt zu haben. Es enthält aber ebenfalls einen Vermerk Schindlers.

Scr. 165/166 Nr. 18 o)
Autographes Notenblatt Ludwig van Beethovens (undatiert).

Hinweise, um welches Stück es sich hierbei handelt, werden gerne entgegengenommen.

Die Sonderpräsentation kann von 27. Februar bis 26. September 2020 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

Oldalak

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