Archiv des Schottenstifts

Abt Andreas Wenzel im Österreichischen Biographischen Lexikon

In der jüngsten Lieferung des Österreichischen Biographischen Lexikons ist wieder einmal ein Artikel zu einem Angehörigen des Schottenstifts erschienen, welcher auch open access abgerufen werden kann:

Maximilian Alexander Trofaier, Art. Wenzel, Andreas (Joseph), in: ÖBL 16, Jg. 70 (2019) 125f.

Die Kurzbiographie enthält nicht nur Altbekanntes, sondern auch einzelne auf Archivrecherchen beruhende neue Erkenntnisse zu Abt Andreas Wenzel (1807–1831).

Das Memoriale reformacionis ad Scotos und das Schottenkloster im 15. Jahrhundert

Eben ist ein umfangreicher Aufsatz von Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier in der aktuellen Nummer der Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige (SMGB) erschienen:

Maximilian Alexander Trofaier, Monastisches Gedächtnis und monastische Realität im Wiener Schottenkloster des 15. Jahrhunderts im Kontext der Melker Reform. Das Memoriale reformacionis ad Scotos – Edition und Kommentar, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 130 (2019) 89–182.

Wie kaum eine andere Quelle hat das kurze Memoriale reformacionis ad Scotos das Bild der Zustände geprägt, welche im Wiener Schottenkloster vor dem Weggang der irischen Benediktiner im Jahr 1418 im Zuge der Melker Reform geherrscht haben sollen. Die dort erhobenen Anschuldigungen gegenüber den Iren, welche von Unvermögen, Fehlverhalten und Charakterschwächen sprechen, klingen bis heute nach. Der Text, welcher von einem unbekannten Mönch in den 1460er-Jahren verfasst wurde, enthält auch historische Notizen zum 12. und 15. Jahrhundert, nekrologische Notizen zum späteren Reformkonvent, Berichte über Visitationen im Kloster sowie Angaben zu Stiftern und Wohltätern. Monastisches Gedächtnis und monastische Realität fallen jedoch nicht immer zusammen, und so muss man das Werk mehr als ein Zeugnis für die Lage und die Befindlichkeit des Schottenklosters und der Melker Observanz zum Zeitpunkt der Abfassung lesen. Der vielseitige Text des Memoriale wird im Aufsatz in einer kritischen Edition vorgelegt und ausführlich kommentiert.

Im Übrigen freut es uns natürlich, dass – wie bereits im Vorjahr – eine Abbildung eines unserer Objekte prominent als Umschlagabbildung des Gesamtbandes der Zeitschrift verwendet wird.

Tierische Entdeckungen

Ab der diesjährigen Langen Nacht der Museen am 5. Oktober 2019 gibt es einen neuen fokussierten Rundgang im Museum im Schottenstift. In allen Räumen des Museums können tierische Entdeckungen gemacht werden, ziehen sich die animalischen Spuren doch durch alle Sammlungsbereiche des Klosters. Man findet sie nicht nur auf Gemälden, sondern auch auf Möbeln, Münzen und liturgischen Geräten. Tiere begegnen als Akteure wie auch als Statisten, als Allegorie wie auch als dekoratives Beiwerk.

Mittels eines speziell gestalteten Plans des Museums lassen sich einzelne Tiere nun ganz gezielt in ausgewählten Objekten entdecken, interpretieren oder schlicht und einfach bestaunen. Ergänzend informieren kurze Texte über die Bedeutung von Tieren auf Tierstücken und Stillleben, in Landschaften, konkret auf dem Schottenaltar, in Tierporträts sowie als Skulpturen.

Ergänzt wird der Rundgang in den nächsten Monaten durch mehrere Objekte aus dem Archiv und der Bibliothek des Schottenstifts, die an dieser Stelle ebenfalls präsentiert werden sollen:

Zwei etwas rüde Affen treiben in einer Handschrift des 15. Jahrhunderts ihr Unwesen. Diese enthält die biblischen Bücher des Neuen Testaments, in der Initiale abgebildet ist der Evangelist Matthäus.

Cod. 100 (Hübl 89), fol. 1r (Ausschnitt)
Novum Testamentum (15. Jh.).

Zum privaten Gebrauch war dieses kleinformatige Gebetsbuch in deutscher Sprache aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bestimmt. Tierdarstellungen zieren fast alle Blätter des schmalen Bandes – hier etwa sind zwei Füchse abgebildet.

Cod. 686 (Hübl 735), fol. 77r
Deutschsprachiges Gebetsbuch (17. Jh.).

Die Druckermarke des Venezianer Buchdruckers Giovan Battista (de) Sessa (Iohannes Baptista Sessa) zeigt eine Katze mit einer Maus im Maul. Bereits seit der Antike galt die Katze als Symbol für die Freiheitsliebe. Durch ihre Verwendung deutete der Drucker seine Ablehnung obrigkeitlicher Eingriffe in seine Tätigkeit und versuchter Zensur an.

Ink. 323 (Hübl 372), fol. 40v
Domitius Palladius: Epigrammata libelli (Venedig, 1498).
Druckersignet des Giovan Battista (de) Sessa.

Neben einem alten Handschriftenfragment ist im Vorderdeckel dieser gedruckten Predigtsammlung auch die Federzeichnung eines unbekannten Zeichners eingeklebt. Die Darstellung eines Dromedars weist eine durchaus beachtliche Qualität auf.

Ink. 76 (Hübl 193), VDS
Franz von Meyronnes: Sermones de tempore (Venedig, 1491/92).
Federzeichnung.

Im Biblisch Vogelbuch (Ornithobiblia) des evangelischen Geistlichen Hermann Heinrich Frey werden alle Vögel und anderen fliegenden Tiere, die in der Bibel vorkommen, mit Schriftzitaten und Auslegungen von Kirchenvätern und evangelischen Theologen behandelt. In der Vitrine im Museum ist die Tierenzyklopädie aufgeschlagen bei den Abschnitten zum Schwan und zum Wiedehopf.

StiB 36.c.25, fol. 122v/123r
Hermann Heinrich Frey: Biblisch Vogelbuch (Leipzig, 1595).

Der Empfänger dieses vom kaiserlichen Hofpfalzgrafen Maximilian Hundt von Lautterbach ausgestellten Wappenbriefs ist ein Georg Haybeckh, der als Fischkäufer zu Straubing identifiziert wird. Sein Wappen enthält daher zwei voneinander abgewendete Fische, in der Heraldik meist als Barben bezeichnet.

Scr. 74 H.) Nr. 27 (Ausschnitt)
Wappenbrief für Georg Haybeckh (19. Februar 1642).

Prachtvoll ist das Reitersiegel Herzog Rudolfs IV. von Österreich auf dieser Privilegienbestätigung für das Schottenkloster – und es weist mit dem Pferd selbstverständlich auch eine Tierdarstellung auf!

Urk 1360-07-14
Reitersiegel Herzog Rudolfs IV.

Die beschriebenen Objekte aus Archiv und Bibliothek des fokussierten Rundgangs „Tierische Entdeckungen“ können von 5. Oktober 2019 bis 8. Februar 2020 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

Gerald Hirtner: Frühneuzeitliche Totenroteln aus Oberpfälzer Stiften

Die im Schottenstift bewahrten Totenroteln haben in den vergangenen Jahren wiederholt das Interesse der Forschung geweckt. Nun ist ein Beitrag erschienen, der sich speziell mit Roteln aus Oberpfälzer Stiften beschäftigt:

Gerald Hirtner, Die frühneuzeitlichen Totenroteln der Oberpfälzer Stifte. Überlieferung, Strukturen, Aussagen, in: Mors. Tod und Totengedenken in den Oberpfälzer Klöstern, hg. von Georg Schrott–Christian Malzer (Veröffentlichungen der Provinzialbibliothek Amberg, Laßleben 2019) 137–177.

Der Autor, Stiftsarchivar der Erzabtei St. Peter in Salzburg, hat sich für seinen Beitrag auf die Suche nach Roteln aus den Benediktiner­klöstern Ensdorf, Michelfeld, Reichenbach und Weißenohe, den Zisterzienserklöstern Walderbach und Waldsassen sowie dem Prämonstratenserstift Speinshart gemacht und ist – aufgrund der geographischen Entfernung durchaus aus dem Rahmen fallend – auch im Schottenstift fündig geworden. Eine der hier überlieferten Roteln wird auch detaillierter untersucht.

Andreas Isler: Alles Derwische?

Vor einiger Zeit konnten wir an dieser Stelle von einer Ausstellung im Völkerkundemuseum der Universität Zürich berichten, die sich mit westlichen Darstellungen islamischer Ordensleute beschäftigte und bei der auch eine Handschrift des Schottenstifts als Leihgabe ausgestellt war. Nun ist die Dissertation des Kurators dieser Ausstellung, die sich ebenfalls dem Thema widmet, im Druck erschienen:

Andreas Isler, Alles Derwische? Anschauungen, Begriffe, Bilder. Zur Darstellung von islamischen Ordensleuten in westlichen Orientwerken der frühen Neuzeit (Zürich 2019).

Darin enthalten ist auch ein Abschnitt über die 1608 gedruckte „Constantinopolische und Jerusalemische Raisbeschreibungen“ des schwäbischen evangelischen Pfarrers  Salomon Schweigger, deren Manuskriptfassung aus 1592 das Schottenstift mit Cod. 647 (Hübl 442) besitzt. Auch manche der in der Handschrift enthaltenen kolorierten Federzeichnungen werden wiedergegeben.