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„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Luther, die Schule und die Bibliothek im Ratsgymnasium Bielefeld

„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ – Obwohl Martin Luther diese berühmten Worte mutmaßlich nie gesagt hat, gingen sie gemeinsam mit seiner Rede auf dem Reichstag zu Worms am 18. April 1521, heute vor 500 Jahren, ins kulturelle Gedächtnis der Nation und der Protestanten ein. Die Ursachen liegen sicher darin, dass der Satz die Position, Haltung und Wirkmächtigkeit dieser „Jahrhundertgestalt“1 treffend zusammenzufassen scheint sowie der „Showdown“ mit Kaiser Karl V. in Worms den „Glaubenskampf zu einem welthistorischen Medienereignis“ machte2 und maßgeblich dazu beitrug, dass die Reformation „in einem Atemzug mit der Französischen Revolution zu den großen Umbrüchen des westlichen Kulturkreises gerechnet werden muss“3.

Deshalb wird das 500. Jubiläum von Luthers Rede in Worms und sein kürzlicher 475. Todestag zum Anlass genommen, die Bedeutung des Reformators für Gründung, Geschichte und Selbstverständnis des heutigen Ratsgymnasiums Bielefeld und seiner historischen Bibliothek zu untersuchen.

Ohne hier auf engem Raum auch nur versuchen zu wollen, chronologisch eine Geschichte darzulegen, die andernorts unzählige Male ausgiebig und fundierter aufbereitet wurde, soll ein unkonventioneller Weg eingeschlagen werden, der hoffentlich interessante Perspektiven auf den Zusammenhang zwischen Luther auf der einen Seite, der Bielefelder Schule und Bibliothek auf der anderen Seite eröffnet und die ein oder andere überraschende Wendung offenbart: Unter der Annahme, dass den Leserinnen und Lesern dieses Artikels die zentralen Abschnitte der Reformation hinlänglich bekannt sind, werden in einem Erzählstrang ausgewählte Etappen der Reformation von Luthers Tod 1546 bis zum Reichstag zu Worms 1521 rückwärts rekonstruiert, während parallel dazu einzelne Werke von und über Luther aus dem Ratsgymnasium Bielefeld und seiner Bibliothek herausgegriffen werden, um die Geschichte der Bibliothek und der Schule vorwärts von ihrer jeweiligen Gründung bis ins Jahr 2021 zu entfalten.

Der Artikel beginnt also mit Luthers Schriften und deren Hinterlassenschaft in den Beständen der Schulbibliothek (Kap. I) und geht anhand einiger exemplarischer Werke vom Augsburger Religionsfrieden und der Schulgründung der 1550er-Jahre (Kap. II) über die Confessio Augustana von 1530 (Kap. III) zurück, um – so die Hoffnung – am heutigen 18. April zugleich im Jahr 1521 in Worms (Kap. 4) wie auch 2021 in Bielefeld anzukommen (Kap. V).

I Luther, seine Schriften und die Bibliothek

Als Luther am 18. Februar 1546 verstarb, hinterließ er ein Werk, das seinesgleichen sucht. Ein Drittel der gesamten deutschsprachigen Buchproduktion der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entfiel allein auf seine Schriften.4 Von hier aus geht der Blick einerseits zurück auf Luthers Wirken bis ins Jahr 1521, andererseits voraus auf sein Nachwirken in der Bielefelder Schule und Bibliothek bis ins Jahr 2021.

Zu Luthers Lebzeiten hatte das Bielefelder Franziskanerkloster bereits begonnen, eine Bibliothek aufzubauen. Zu den dort ehemals befindlichen Werken von besonderer Relevanz zählen sicher die sieben lateinischen Handschriften religiösen Inhalts sowie drei Vulgata,5 während sich Luthers Werke oder seine Bibelübersetzung nicht im Bestand dieser Klosterbibliothek nachweisen lassen. Dies änderte sich erst, als mit der Auflösung des Klosters 1829 einige Bestände in die bereits 1753 gegründete Schulbibliothek6 gelangten, die seither unter spezifisch protestantisch-preußischem Einfluss selbstverständlich auch zahlreiche Werkausgaben des Reformators angeschafft hat.

Hervorzuheben sind unter den heute insgesamt ca. 25.000 Bänden der Bibliothek sicher zunächst elf Lutherbibeln, deren älteste auf das Jahr 1606 datiert. Sie stehen bekanntlich in der Tradition des 1521/22 auf der Wartburg übersetzten Neuen Testaments, dem 1534 die Vollendung des gesamten Werkes folgte, längst nicht die erste Bibelübersetzung ins Deutsche, aber in ihrer Verbindung aus Reformation, angestoßener Lesebewegung und sprachlicher Gestaltung die kulturprägende.7

Abb. 1 Kommentierte Lutherbibel von 1729 (hinten), nebst Vulgata von 1491 und Bilderbibel von 1571 (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, Foto 2021)

Eines dieser Exemplare stellt eine kommentierte Lutherbibel von 1729 dar.8 (s. Abb. 1) Für Sextaner stellt sie allein aufgrund ihrer Größe von 44,5×27,7×16,2 cm und ihren 2016 Seiten ein Highlight bei jeder Führung dar, auch wenn sie Kennern sicher von untergeordnetem Wert erscheinen dürfte. Weitaus bedeutender erscheinen demgegenüber die zwölfbändige Wittenberger (1553-1558) und die achtbändige Jenaer Werkausgabe Luthers (1575-1588). (s. Abb. 2)

Abb. 2 Teile der Jenaer Werkausgabe Luthers im Regal der historischen Bibliothek (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, Foto 2021)

Die epochale Bedeutung des Reformators erklärt sich jedoch nicht allein aus der Bibelübersetzung sowie der unvergleichlichen Anzahl und dem Gehalt seiner Schriften, die durch den Gutenbergschen Buchdruck verbreitet und popularisiert werden konnten. Sie verdankt sich ebenso der Macht der Bilder, die in eine wahre „Reformationspropaganda“9 mündete. Besondere Bedeutung kommt hier dem Holzschnitt zu. So zeigt beispielsweise eine etwas eigenwillige, für die Reformation und Werke Luthers jedoch alles andere als ungewöhnliche Kreuzigungsgruppe im zehnten Band der Wittenberger Gesamtausgabe Luther neben seinem ihn vielfältig unterstützenden und schützenden Landesherrn Friedrich dem Weisen. Indem der Reformator zu Füßen von Jesus Christus genau an der Stelle kniet, die üblicherweise der Apostel Johannes einnimmt, verdeutlicht dies dies sowohl die solus Christus-Formel als auch seine durch Zeitgenossen zugeschriebene überragende Stellung.10 (s. Abb. 3)

Abb. 3 Holzschnitt auf der Titelseite einer Werkeausgabe Luthers von 1558, 10,7×14,5cm; ebenfalls leicht verblasst zu erkennen ist der Stempel „GYMNASIAL-BIBLIOTHEK ZU BIELEFELD (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 193k)

Der betreffende Band dieser Werkausgabe erschien 1558, im offiziellen Gründungsjahr des heutigen Ratsgymnasiums Bielefeld und drei Jahre nach dem Augsburger Religionsfrieden.

II Augsburg, der Frieden und die Schulgründung

1555 hatten die Reichsstände mit dem römisch-deutschen König Ferdinand als Stellvertreter Kaiser Karls V. in Augsburg den Religionsfrieden ausgehandelt. Dieser Kompromiss klammerte zwar die theologische Wahrheitsfrage aus, weshalb er auch die Konfessionsproblematik im Reich nicht dauerhaft beilegen konnte, verrechtlichte jedoch als „verfassungsgeschichtlicher Meilenstein“11 das Nebeneinander von Katholiken und Protestanten im Reich. Das Rechtsprinzip, das später in die Redewendung cuius regio, eius religio gegossen wurde, fand allerdings seine Grenzen in den geistlichen Territorien und den Reichsstädten.12 Im Kontext einer „Stadtreformation“13 belegt auch das Beispiel Bielefelds, obgleich selbst keine Reichsstadt, sondern seinerzeit Teil der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, die hohe Bedeutung der Städte für die Ausbreitung der Reformation.

Abb. 4 Altbau des Ratsgymnasiums Bielefeld (Grestscher Hof) mit den Türmen der Neustädter Marienkirche im Hintergrund (Foto 2021)

Bielefeld blieb zunächst bis mindestens 1535 katholisch, ihre Bürger gewannen jedoch durch die konfessionell unentschiedene Politik ihrer fernen Landesherren zunehmend auch religiöse Freiräume. In den 1540er-Jahren wussten diese etwa zwei protestantisch beeinflusste Pfarrer der Altstädter Nicolaikirche und die Bielefelder Ratsherrenfamilie von Greste zu nutzen.14 In deren ehemaligem, im Stil der Weserrenaissance errichteten Herrenhaus befindet sich heute der Altbau des Ratsgymnasiums Bielefeld mit seiner historischen Bibliothek. (s. Abb. 4)

Eine wirkliche Durchsetzung erfährt die Reformation aber erst durch Hermann Hamelmann, dem Pfarrer der Stiftskirche St. Marien.15 An dieser 1293 durch den damaligen Landesherrn Otto III. von Ravensberg gegründeten Kirche der Bielefelder Neustadt liegen auch die Ursprünge des heutigen Ratsgymnasiums Bielefeld als einer seinerzeit einem Scholastiker unterstellten katholischen Lateinschule, auf der die Söhne der Bürgerschaft Bielefelds und seiner Umgebung den Zugang zum Universitätsstudium erhalten konnten.16

Erst 1558 wandelt der Rat der Stadt diese „schola“ in eine Stadtschule zur höheren Bildung um, stellt einen neuen Rektor ein und überführte die bestehende Lateinschule in die gemeinsame Trägerschaft von Kirche und Stadt. Das Jahr 1558 bezieht sich „demnach auf die städtische Mitwirkung an der Schulträgerschaft, nicht aber auf einen rein evangelisch-lutherischen Charakter der Schule“17.

Die Behauptung, dass „deren Wurzeln in die Reformationszeit zurückreichen“18, greift daher gänzlich zu kurz, verweist aber auf die spezifische Erinnerungskultur des heutigen Ratsgymnasiums. Denn seit 1858, spätestens seit der 350-Jahrfeier 1908 berufen sich Schule und Stadt einheitlich, die Forschung mehrheitlich auf das Jahr 1558 als offizielles Gründungsdatum, das zuletzt 2008 gefeiert wurde.19 Durch diese Deutung wird bewusst die protestantische Tradition der Schule gepflegt, die wiederum nicht ohne vorherige Schriften Luthers zu verstehen ist.

Bereits in seiner 1520 verfassten Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen hatte der Wittenberger Theologieprofessor gegen die verbreitete Ansicht argumentiert, den Glauben aus dem Handeln der Menschen abzulesen. Der Mensch könne sich weder durch gute Werke noch durch fromme Leistungen sein Heil verdienen, weil ihm dies immer schon geschenkt sei und aus dieser Freiheit des Beschenken heraus der wahrhaft fromme Mensch handle: „Gutte frum werck machen nymmer mehr ein guten frumen man, sondern eyn gutt frum man macht gutte frum werck“20.

Um aber Menschen in diesem Sinne zu erziehen und zu bilden, bedarf es der Lehrkräfte. Da es jedoch zur damaligen Zeit noch keinen eigenen Lehrstand gab, sondern die Lehrerschaft – wie auch an der Bielefelder Lateinschule – an die (katholische) Kirche gebunden blieb, wandte sich Luther im Jahr 1524 mit einem Sendschreiben An die Bürgermeister und Rahtherrn aller Stedte Deutscheslandes, Das sie Christliche Schulen auffrichten, und halten sollen (s. Abb. 5):

„Nu liegt einer Stad gedeien nicht allein darin, das man grosse Schetze samle, feste mauern, schöne Heuser, viel Büchsen und Harnisch zeuge […], sondern das ist einer Stad bestes und aller reichest gedeien, Heil und Krafft, Das sie viel feiner, gelerter, vernünfftiger, erbar, wolgezogner Bürger hat“.21

Abb. 5 Martin Luthers Aufruf, christliche Schulen zu gründen von 1524, Jena 1585, S. 457v (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 187)

Im Zuge dieser Schriften Luthers und der Dynamik der reformatorischen Bewegung wandelte man vielerorts die Kloster- und Domschulen in städtische oder landesherrliche Anstalten um. Auch in Bielefeld folgte man Luthers Appell. Dadurch wurde „ein erster irreversibler Schritt zur Verweltlichung des Schulwesens“22 vollzogen.

Nach seiner – offiziellen – Gründung 1558 führte die Schule zwar einen getrennten Religionsunterricht ein, erhielt aber stets Zuwendungen von katholischer und evangelischer Seite, denen sie gleichermaßen offenstand. In den nächsten Jahrzehnten dürften entsprechend auch Schüler beider Konfessionen die Schule besucht haben, wie sich anhand der Verteilung der Absolventen sowohl auf katholische als auch auf protestantische Universitäten annehmen lässt.23 Dies alles bleibt unverständlich, ohne ein anderes bedeutendes Ereignis der Reformationsgeschichte, das sich ein Vierteljahrhundert zuvor ebenfalls in Augsburg ereignet hat.

III Augsburg, das Bekenntnis und ein Lutherbrief

1530 hatte Kaiser Karl V. einen neuen Reichstag ausgeschrieben, der neben der Bedrohung durch die Türken auch die Religionsstreitigkeiten thematisieren sollte. Der seit 1521 unter Reichsacht stehende und daher in seiner Bewegungsfreiheit stark eingeschränkte Luther konnte nicht persönlich nach Augsburg reisen und war daher an der letzten Ausformulierung des Augsburger Bekenntnisses nicht mehr direkt beteiligt. Als die Verlesung der Confessio Augustana am 25. Juni 1530 den Zerfall des Reiches in mehrere Konfessionen besiegeln sollte, befand sich Luther auf der Veste Coburg.24 Dort verfasste er am 4. Oktober1530 einen Brief an den Komponisten Ludwig Senfl, in dem er u.a. die trostspendende Funktion der Musik beschreibt und den Katholiken Senfl bittet, ihm eine Komposition zukommen zu lassen. (s. Abb. 6)

Abb. 6 Erstdruck der Übersetzung eines Lutherbriefs von 1530, 1554 (Auszug) (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Bekanntlich darf die Bedeutung des Gesanges und der Musik für die reformatorische Bewegung nicht unterschätzt werden, wie insbesondere am Choral, an Luthers eigenen Umdichtungen biblischer Psalmen zu Gemeindeliedern und an der ,Erfindung‘ des Gesangbuches festzumachen ist.25

Ein Exemplar des ältesten Druckes der deutschen Übersetzung des original in lateinischer Sprache verfassten Briefes befindet sich auch in der Bibliothek des Ratsgymnasiums.26 Er wurde durch Zufall auf einem der Druckbögen der als Makulatur zur Stärkung der Buchrücken überlieferten Fragmente der „Psalmen Davids“ gefunden, die der Zwickauer Komponist David Köler im Jahr 1554 komponiert hatte und die kürzlich auszugweise in der Aula des Ratsgymnasiums durch den Schulchor wieder aufgeführt wurden.27

IV Worms, das Gewissen und die Schulaula

Abb. 7 Die Inschrift „DEO ET LITERIS“ am Hauptportal des Anbaus des Ratsgymnasiums von 1870 (Foto 2021)

1870 zog das Gymnasium der wachsenden Großstadt in einen Anbau des Grestschen Hofes (Abb. 4), wo auch die Bibliothek ihren neuen Standort gefunden hat. In diesem im Neorenaissance-Stil durch den Kölner Stadtbaumeister Julius Raschdorff, den späteren Architekten des Berliner Doms, errichteten Anbau sticht ein Risalit mit der Inschrift „DEO ET LITERIS“ (s. Abb. 7) über dem ehemaligen Haupteingang der Schule hervor. Er verdeutlicht zunächst die hohe Bedeutung von Religion und Wissenschaft für das schulinterne Selbstverständnis von Bildung und Erziehung, wie in Texten verschiedener Lehrkräfte in der den Titel DEO ET LITERIS tragenden Festschrift aus dem Jahr 2008 betont wird: „,Für Gott und die Wissenschaften‘ lehrt und lernt man in dieser Schule“28. Besucherinnen und Besucher würden „gleichsam programmatisch“ mit Worten empfangen, die unterstreichen, „dass das Vertrauen auf Gott und das Bekenntnis zu den Wissenschaften durchaus keine Gegensätze sein müssen“29.

In Stein gemeißelt verweist der Risalit aber nicht allein auf das Bildungsprogramm, sondern auch auf den architektonischen Mittelpunkt der Schule, über dem sich im dritten Obergeschoss die Aula befindet.

Wer diese Aula beispielsweise zu Schulkonzerten betritt, stößt sogleich auf den sieben Gemälde umfassenden Zyklus des deutschen Historien- und Portraitmalers Ernst Hildebrand, den die Schule 1890 vom preußischen Staat erhalten hatte.30 Alle Bilder dieses für Norddeutschland einmaligen und akademisch wertvollen Gemäldezyklus‘ stehen inzwischen unter Denkmalschutz und dürfen nicht aus der Aula entfernt werden. Dass diese Gefahr durchaus ernst zu nehmen war, belegt der Umgang mit dem Gemälde, das Martin Luther als Kurrendesänger zeigt. Zwischenzeitlich hatte es „aus Platzmangel […] mal im Musikraum, mal im Lehrerzimmer Asyl“ gefunden,31 war aufgrund unsachgemäßer Rahmung verkleinert worden und wurde deshalb bei der Renovierung der Aula in den 1980er-Jahren direkt über die neue Orgel gehängt. Passenderweise befindet es sich nun also genau dort über der Bühne, wo beispielsweise Orchester oder Big Band auch heute noch ihre Schulkonzerte aufführen oder eben der Chor Auszüge aus den „Psalmen Davids“ gesungen hat.

Von den anderen sechs Bildern greifen die drei Gemälde an der Nordostseite Ereignisse der Bielefelder Stadtgeschichte heraus. Ein erstes Bild widmet sich dem Beginn der Reformation mit der Austeilung des Abendmals in beiderlei Gestalt, ein zweites zeigt die Taufe eines der Söhne des Großen Kurfürsten auf der örtlichen Burg Sparrenberg, wo noch heute im Innenhof ein Denkmal des damaligen Landesherrn steht, ein drittes die Huldigung einer Delegation der Bielefelder Leineweber vor diesem dar.

Die drei Gemälde auf der Südwestseite heben die Bedeutung von Protagonisten der Reformation hervor. Ein Gemälde zeigt Philipp Melanchthon mit seinen Schülern, ein weiteres Luther im Kreis seiner Familie und ein Drittes Luther vor dem Reichstag zu Worms 1521. Im Mönchsgewand und mit der Bibel in der Hand steht er selbstbewusst, fast triumphierend aufrecht vor Kaiser Karl V., dessen Bruder Ferdinand, Johann von Eck und den Kurfürsten, durchaus passend zu seinen berühmten überlieferten Worten, „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. (s. Abb. 8)32

Abb. 8 Ernst Hildebrand: Martin Luther vor Karl V. und Dr. Eck beim Reichstag zu Worms. Aula des Ratsgymnasiums zu Bielefeld (1887-1891). Ort: Wikimedia Commons, CC.BY-SA-4.0 Online unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reichstag_zu_Worms_1521.jpg

Die Vorgeschichte ist bekannt: Nach dem Epoche machenden 31. Oktober 1517, als „die 95 Thesen in die Welt traten“33, machten bereits Luthers große Reformschriften des Jahres 1520 seinen Bruch mit der katholischen Kirche deutlich.

„Wie zwei Züge, die mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zurasen, kamen im Jahr 1520 zwei gegenläufige Entwicklungen zu ihren ersten Höhepunkten – und dem damit unausweichlichen Konflikt. Während der Prozess in Rom wieder Fahrt gewann, entwickelte auch Luther ein Publikationsprogramm, das seinesgleichen sucht und ihn endgültig zum ersten Medienstar des 16. Jahrhunderts machte.“34

Die am 15. Juni in Kraft gesetzte und am 24. Juli 1520 veröffentlichte Bannandrohungsbulle Papst Leos X. mit der 60-tägigen Frist zum Widerruf verbrannte Luther symbolisch und öffentlich am 10. Dezember 1520 mitsamt des kanonischen Rechts und einiger scholastischer Buß- und Lehrbücher. „In der Geschichte des abendländischen Christentums markiert dieser 10. Dezember 1520 die ,kopernikanische Wende‘.“35

Nachdem folglich der Papst Luther am 3. Januar 1521 als Ketzer verurteilt und exkommuniziert hatte, sollte nach gängigem Reichsrecht die Reichsacht folgen. Während Karl V. diese allein aus Bündniserwägungen mit dem Papst heraus verhängen wollte, hatten einige Reichsstände unter Führung von Luthers Landesherrn Kurfürst Friedrich dem Weisen Luthers Reformforderungen begrüßt und brachten die causa Lutheri auf die Tagesordnung des Reichstages, wo die Mehrheit der anwesenden Reichsstände eine persönliche Anhörung Luthers durchsetzen konnte.36

Darin stellte der das Verhör leitende Trierer Offizial Johann von Eck Luther am 17. April 1521 zuerst die quaestio facti, ob Luther die unter seinem Namen erschienenen Bücher als die Seinen anerkenne und ergänzte die Frage, ob er bereit sei, seine Schriften zu widerrufen.37

Nachdem Karl V. dem ausweichenden Luther einen Tag Bedenkzeit gewährt hatte, gab dieser am 18. April – wohlgemerkt erneut nicht vor dem Reichstag, sondern im Bischofshof, dem Aufenthaltsort des Kaisers – zwar zu, im Ton zuweilen etwas zu scharf gewesen zu sein; er widerrief die Schriften jedoch nicht von der Sache her und behielt seine Kerngedanken bei. Auf Luthers Versuche der Differenzierung ließ sich von Eck allerdings nicht ein und forderte Luther direkt auf, eindeutig zu antworten, ob er widerrufe oder nicht. Darauf reagierte Luther „mit jenen Sätzen, die Weltgeschichte geschrieben haben und die Generationen von Protestanten in die Identität schaffende Gewißheit versetzten, daß ihr Reformator die neuzeitliche Gewissensfreiheit begründete“38.

Die legitime Macht des Staates habe demnach zunächst ihre Grenzen an der individuellen Gewissensbindung39. In dieser „europäischen Sternstunde des erwachten individuellen Gewissens“40 bekräftigte Luther, allein durch sein Gewissen, nicht durch den Papst oder Konzilsbeschlüsse gebunden zu sein und nicht widerrufen zu können, solange er nicht durch die Bibel oder klare Vernunftgründe widerlegt werde. Schließlich war er davon überzeugt, „dass Gottes Wahrheit und Wille nur aus seinem biblischen Wort (sola scriptura) erkennbar seien“41. Dass er seine auf Latein gehaltene Stellungnahme mit den Worten schloss, „Ich kann nicht anderst, hie stehe ich, Got helff mir, Amen“42, ist zwar, wie eingangs erwähnt, Legende, passt aber perfekt zum welthistorischen Augenblick, der in Hildebrands noch heute prominent in der Schulaula hängendem Historiengemälde trefflich eingefangen wird.

V Luther, 1521 und 2021 – „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“?

Was bedeutet nun zusammengefasst Luthers Auftritt in Worms heute vor 500 Jahren für die Schule und Bibliothek im Jahr 2021?

Bezüglich der Bibliothek verpflichten die große Zahl und hohe Bedeutung religiöser Werke in ihrer Obhut dazu, dass diese Bestände nicht nur einen bedeutenden Teil der Restaurierungen43 und wissenschaftlichen Erforschung ausmachen, sondern auch in der Vermittlung omnipräsent sind. Dies reicht von Lerngruppen in Jahrgangsstufe 5, die im Religionsunterricht verschiedene Bibelausgaben kennenlernen,44 bis hin zu öffentlichen Führungen, in denen etwa die Schulgründung und -geschichte sowie die Auflösung des Franziskanerklosters thematisiert und anhand von Bibeln, Inkunabeln und weiterer religiöser Literatur veranschaulicht werden.

Schulprogramm und Schulprofil des Ratsgymnasiums Bielefeld aus dem Jahr 200745 halten unter den „pädagogische[n] Leitgedanken […] die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion wie auch mit anderen Religionen und Weltanschauungen für eine zentrale Aufgabe“46. Auch wird in einem Beitrag aus der DEO ET LITERIS-Festschrift zum offiziellen 450-jährigen Jubiläum der Schule 2008 „Religion als Teil der Schulkultur“47 begriffen. Man sei „froh darüber, nicht nur Elternhäuser, sondern gerade auch Schülerinnen und Schüler vorzufinden, für die Religionsunterricht zum selbstverständlichen Bildungskanon gehört, so dass schon seit langem die Zahl der Abmeldungen vom Religionsunterricht gegen Null tendiert“48. Als „fester Bestandteil unseres Schulprogramms“49 fahren alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 auf die religiösen Studientage nach Weimar und Buchenwald.

Ökumenische Gottesdienste sollen, so das Schulprogramm weiter, „über den Unterricht hinausgehend Impulse für eine christlich geprägte Lebensgestaltung geben“50. Tatsächlich wird der Schultag in Jahrgangsstufe 5 ebenso wie der Tag der Entlassfeier der Abiturientinnen und Abiturienten mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet, und der letzte Schultag vor Weihnachten mit einer Weihnachtsmusik abgeschlossen, bei der „die Religionsfachschaften den Part [innehaben], die ,meditative Mitte‘ dieses Weihnachtskonzerts zu gestalten“51.

In dieser schulinternen Erinnerung an Luther und die Reformation finden indessen ihre negativen Folgen, wie die Spaltung des Christentums, die „zu schrecklichen Auseinandersetzungen, zu Kriegen, zu Terror und zu unversöhnlichen Feindschaften geführt“ hat52 oder die „Überdoktrinalisierung des Christentums“ und Verfolgung auch geringster Abweichler53 keinen oder nur wenig Platz. Karl Ernst Nipkow zufolge stünden daher die Schulen u.a. vor der „Aufgabe des Umgangs mit Pluralität und Differenz, besonders mit Anderen und Fremden […], weil ohne die Überwindung ethnischer, nationaler und religiöser Abschottungen ständig neue Konflikte erzeugt werden“54.

Hier also, am 18. April 2021 und 500 Jahre nach Luthers Rede in Worms, stehen das Ratsgymnasium Bielefeld und seine Bibliothek.

Beitragsbild
Ernst Hildebrand: Martin Luther vor Karl V. und Dr. Eck beim Reichstag zu Worms. Aula des Ratsgymnasiums zu Bielefeld (1887-1891). Ort: Wikimedia Commons, CC.BY-SA-4.0 Online unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reichstag_zu_Worms_1521.jpg

Anmerkungen

Diesen Artikel zitieren: Benjamin Magofsky, "„Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Luther, die Schule und die Bibliothek im Ratsgymnasium Bielefeld," in bibliotheca.gym, 18/04/2021, https://histgymbib.hypotheses.org/11004.
  1. Kaufmann, T. (2017): Martin Luther. 5. Aufl., München, S. 7; vgl. zu den Worten Luthers Lauster, J. (2014): Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums. München, S. 319 f., Leppin, V. (2017): Die Reformation. 2. Aufl., Darmstadt, S. 71, und MacCulloch, D. (2010): Die Reformation 1490-1700. München, S. 187.
  2. Berndt, C. (2021): Vor 500 Jahren begann der Reichstag zu Worms. Ein welthistorisches Medienereignis. In: Deutschlandfunk, 27.1.2021. Online unter: https://www.deutschlandfunk.de/vor-500-jahren-begann-der-reichstag-zu-worms-ein.871.de.html?dram:article_id=491469, abgerufen am 27.3.2021.
  3. Lauster 2014: 297; vgl. Achhammer, M. (2016): Luther auf dem Reichstag in Worms. Online unter: https://www.luther2017.de/neuigkeiten/luther-auf-dem-reichstag-in-worms/index.html, abgerufen am 12.4.2021.
  4. Vgl. Füssel, S. (2019): Johannes Gutenberg. 6. Aufl., Reinbek bei Hamburg, S. 120.
  5. Vgl. zu religiösen Werken in der Bibliothek Magofsky, B. (2020a): Der heilige Hieronymus im Gemäuer. Religiöse Handschriften, Inkunabeln und Bücher aus dem Bielefelder Franziskanerkloster in der Schulbibliothek des Ratsgymnasiums. In: Zeitarbeit. Aus- und Weiterbildungszeitschrift für die Geschichtswissenschaften 2/2020. S. 44-64. Online unter: https://majournals.bib.uni-mannheim.de/zeitarbeit/article/view/147/104.
  6. Vgl. zur Gründung der Bibliothek durch den damaligen Rektor Gotthilf August Hoffmann Magofsky, B. (2020b): Das Zeitalter der Aufklärung – auch am Bielefelder Gymnasium? Gotthilf August Hoffmann und die Gründung der Bibliothek im heutigen Ratsgymnasium Bielefeld. In: bibliotheca.gym, 31.12.2020. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/10729.
  7. Vgl. Leppin 2017: 45.
  8. Biblia. Das ist die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, nach der Übersetzung und mit den Vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, mit neuen Vorreden, Summarien, weitläuffigen Parallelen, Anmerckungen und geistlichen Anwendungen, auch Gebeten auf jedes Kapitel: wobey zugleich nöthige Register und eine Harmonie des Neuen Testaments beygefüget sind. Tübingen, Johann Georg und Johann Gottfried Cotta, 1729 (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, A 17a). In Abb. 1 liegen links vorne Biblia latina. Basel, Johannes Froben, 27.6.1491 8° (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 1) (ISTC ib00592000) (GW 04269) und rechts vorne: Bibliorum utriusque Testamenti icones: summo artificio expressae, historias sacras ad vivum exhibentes, & oculis summa cum gratia repraesentantes adeoque doctis & venustis carminibus exornatae, ut pius lector vere sacrorum his emblematum thesaurum possit agnoscere. In omnium, qui pietatis et literarum amantes sunt, gratiam, per candidum studiosorum fautorum in lucem nunc primum aeditae. Frankfurt am Main, 1571 (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 416).
  9. Füssel 2019: 124; vgl. zur Macht der Bilder im Kontext von Renaissance und Christentum Lauster 2014, S. 260-272.
  10. Der Zehende Teil der Bücher des Ehrwirdigen Herrn D. Martini Lutheri, nemlich, die herrliche, Auslegung uber das Erste Buch Mosi, welches ein Quell und Ursprung aller Prophetischen und Apostolischen Schriften ist, von anfang bis auff das XXV. Capitel, welche Auslegung, voller heilsamer Christlicher Lere, der tewre Man Gotttes kurtz vor seinem ende vollbracht. Wittenberg, Thomas Klug, 1558 (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 193a-m, hier 193k), Titelseite. Zwei Jahrzehnte später zeigt der Holzschnitt auf der Titelseite des ersten Bandes einer 1575-1588 in Jena gedruckten achtbändigen Ausgabe der Werke neben seinem neuen Landesherrn (vermutlich Herzog Johann Friedrich I. von Sachsen) (Der Erste Teil aller deutschen Bücher und Schrifften des thewren / seligen Mans Gottes D. Mart. Lutheri, vom VIII. jar an, bis auff das Jahr XXII. Zum Vierdten mal gedruckt, aller Ding dem Ersten und Andern Druck gleich, on was nach ordnung der zeit etwas geendert ist. Jena, Thomas Rebarts Erben, 1575, Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 186-193, hier B 186).
  11. Stollberg-Rilinger, B. (2006): Das Heilige Römische Reich deutscher Nation. Vom Ende des Mittelalters bis 1806. München, S. 62 f.
  12. Vgl. Leppin 2017: 154 f., sowie ähnlich auch Schorn-Schütte, L. (2011): Die Reformation. Vorgeschichte, Verlauf, Wirkung. 5. Aufl., München, S. 89.
  13. Schorn-Schütte 2011: 61 f.; vgl. ähnlich auch Leppin 2017: 49.
  14. Vgl. Rath, J. (2019): Bielefeld. Eine Stadtgeschichte. Regensburg, S. 43.
  15. Vgl. ebd.: 44 und 164.
  16. Vgl. Korte, F. (2010): Das Ratsgymnasium Bielefeld in Stift, Stadt und Staat seit 1293. Essen. Aus den 57 Daten im Bielefelder Urkundenbuch sowie weiteren Vermerken zu Studierenden „de Bilevelde“ in den Matrikelverzeichnissen verschiedener Universitäten schließt Korte auf den durchgängigen Bestand der Lateinschule (vgl. ebd., und Korte, F. (2008): Die Frage des Gründungsdatums 1558. In: Altenberend, J. / W. Schröder (Hrsg.) (2008): Deo et Literis. Schule mit Geschichte – Schule mit der Zeit. Festschrift zum 450-jährigen Jubiläum des Ratsgymnasiums Bielefeld. Bielefeld. S. 187-192, hier S. 188, sowie neuerdings Sigler, S. [2018]: Wie alt ist das Ratsgymnasium? Online unter: http://www.rats1293.de/, abgerufen am 7.4.2021).
  17. Vogelsang, R. (2008): Bürgerschule und Gelehrtenanstalt – 450 Jahre Gymnasium in Bielefeld. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 11-48, hier S. 11 f.
  18. Reichelt, S. (2008): Religion als Teil der Schulkultur. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 345-348, hier S. 345.
  19. Vgl. etwa aus der jüngsten Festschrift (Altenberend / Schröder 2008) den damaligen Oberbürgermeister David (David, E. (2008): Grußwort des Oberbürgermeisters zum 450. Jubiläum des Ratsgymnasiums. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 9), den Leitenden Stadtarchivdirektor im Ruhestand Vogelsang (Vogelsang 2008: 11 f.), oder den Gastbeitrag des Bielefelder Theologen Nipkow (Nipkow, K. E. (2008): Erbe als Zukunftschance. Evangelisches Bildungsdenken vor der Herausforderung einer pluralen demokratischen Gesellschaft. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 349-359, hier S. 349).
  20. Luther, M.: Von der Freiheit eines Christenmenschen, 1520. In: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. 7. Band. Weimar 1897, S. 12-38, hier S. 32; vgl. Lauster 2014: 301.
  21. Luther, M.: An die Rathherrn aller Stedte in Deutschland. An die Bürgermeister und Rathherrn aller Stedte Deutschlandes / Das sie christliche Schulen auffrichten / und halten sollen, 1524 In: Der ander Teil aller deutschen Bücher und Schrifften des thewren / seligen Mans Gottes D. Mart. Lutheri. Jena, Thomas Rebarts Erben, 1585, S. 454v-464v, hier S. 457v. (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, B 187).
  22. So allgemein Fuhrmann, M. (2002): Bildung. Europas kulturelle Identität. Stuttgart, S. 22.
  23. Vgl. Vogelsang 2008: 11-13, sowie zum Religionsunterricht Ohly, W. (2008): Ernst Hildebrands Gemäldezyklus in der Aula des Ratsgymnasiums. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 123-132, hier S. 132.
  24. Leppin 2017: 93.
  25. Vgl. Schorn-Schütte 2011: 62 f.
  26. Vgl. Möller, E. / G.  Eismann (2005): Art. „David Köler“. In: Finscher, L. (Hrsg.) (2005): Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG). Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume. Personenteil. Bd. 10. 2. Auflage, Kassel u.a., Sp. 447- 449, Sp. 447.
  27. Vgl. zu den „Psalmen Davids“ in der Bibliothek Gerwin, C. / B. Magofsky (2018): Eine Rarität in der Lehrerbibliothek des Ratsgymnasiums – David Kölers „Psalmen Davids“ aus dem Jahr 1554. In: Ravensberger Blätter. 2. Heft 2018, S. 1-13, sowie zur Aufführung Gerwin, C. / B. Magofsky (2020): „dancket dem Herren/ denn er ist freundtlich […] und seine güte weret ewiglich“. In: bibliotheca.gym, 18.12.2020. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/7715.
  28. Ohly 2008: 123
  29. Reichelt 2008: 345.
  30. Vgl. zur vormaligen Ausstattung, Veränderungen und Renovierungen der Aula Kansteiner, A. (2008): Die Die Aula des Ratsgymnasiums – Museum oder multifunktionaler Raum. In: Altenberend / Schröder 2008, S. 119-122, sowie zum Gemäldezyklus Ohly 2008: 123.
  31. Kansteiner 2008: 121.
  32. Das Original in der Aula des Ratsgymnasiums ist indessen farbig und kann etwa bei Tagen der offenen Tür oder im Rahmen der Schulkonzerte gesehen werden. Farbdrucke sämtlicher Gemälde finden sich bei Ohly 2008.
  33. Schilling, H. (2017): 1517. Weltgeschichte eines Jahres. München, S. 278, sowie allgemein zu diesem Ereignis ebd.: 258-289.
  34. Leppin 2017: 39.
  35. Kaufmann 2017: 54.
  36. Vgl. Stollberg-Rilinger 2006: 52, und Schorn-Schütte 2001: 34, 36 f.
  37. Vgl. Leppin 2017: 71.
  38. Schorn-Schütte 2011: 39.
  39. Vgl. Huber 2005: 87 f.
  40. Steinmeier, F.-W. (2021): 500 Jahre Martin Luther auf dem Wormser Reichstag. Videobotschaft, 16.4.2021. Online unter: https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Downloads/DE/Reden/2021/04/210416-Worms-Luther.pdf;jsessionid=7657904B039B1146A34C48C209F8B738.1_cid353?__blob=publicationFile, abgerufen am 18.4.2021.
  41. Engelshausen, F. u.a. (2015): Meilensteine der deutschen Geschichte. Von der Antike bis heute. Berlin, S. 93.
  42. Luther, M: Dictio D. Martini Lutheri coram Caesare Carolo et Pricipibus Vuormaciae feria quinta post Misericordia Domini. 1521. In: Luther. In: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe. 7. Band. Weimar 1897, S. 831-838, hier S. 838.
  43. Durch Unterstützung des Vereins „Die Förderer der Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld e.V.“ wurden alle sieben Handschriften inzwischen restauriert, viele Inkunabeln, größtenteils religiösen Zuschnitts, ebenso (vgl. dazu https://www.ratsgymnasium-bielefeld.de/index.php/freunde/foerderer-der-bibliothek).
  44. In den Kernlehrplänen Evangelische und Katholische Religionslehre des Landes Nordrhein-Westfalen sollen im jeweils 5. Inhaltsfeld „Zugänge zur Bibel“ geschaffen (Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2019): Kernlehrplan für die Sekundarstufe I Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Evangelische Religionslehre. Düsseldorf, S. 15) bzw. die „Bibel als ,Ur-kunde‘ des Glaubens“ untersucht werden (Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2019): Kernlehrplan für die Sekundarstufe I Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Katholische Religionslehre. Düsseldorf, S. 16).
  45. Da ich seit 2011 Lehrer am Ratsgymnasium bin, beziehe ich mich im Folgenden allein auf offizielle Dokumente und publizierte Texte, die davor erscheinen sind.
  46. Ratsgymnasium Bielefeld (Hrsg.) (2007): Schulprogramm und Schulprofil Ratsgymnasium Bielefeld. Bielefeld, S. 5.
  47. Reichelt 2008: 345.
  48. Ebd.: 345
  49. Ebd.: 346
  50. Ratsgymnasium Bielefeld 2007: 5. Dass dies aktuell unter den Bedingungen der Corona-Pandemie nicht erfolgen kann, sei zumindest erwähnt.
  51. Reichelt 2008: 346.
  52. Steinmeier 2021; vgl. auch Lauster 2014, S. 329.
  53. Lauster 2014, S. 329
  54. Nipkow 2008: 359

Wir trauern um Heike Endermann (1965 – 2021)

„Rastatter Runde“ in der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Oktober 2018 mit Heike Endermann (2. v. r).

Im Frühjahr 2018 traf ich Heike Endermann zum ersten Mal. In der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium, die sie leitete, wurde die Idee konkret, ein „Netzwerk Historische Schulbibliotheken” zu gründen, das dann im Herbst in einer ersten Rastatter Runde installiert wurde.  Sie hat sich weiter mit Beiträgen für diese Runde und fürs Blog bibliotheca.gym engagiert. Um so bestürzender ist die kürzliche Nachricht aus Rastatt gewesen, dass Heike Endermann  verstorben ist.

Heike Endermann, geboren am 16. März 1965 in Jena, studierte zwischen 1989 und 1995 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena klassische Philologie, daran anschließend von 1998 bis 2002 die lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit. Im Jahr 2000 wurde sie von der Humboldt-Universität Berlin als Wissenschaftliche Bibliothekarin graduiert. 2001 und 2002 wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin  im Rahmen des Editionsvorhaben „Landesgeschichtsschreibung und  Landesbewusstsein in Thüringen im späten Mittelalter“ des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte/Thüringische Landesgeschichte am Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.  2002 war sie am Handschriftenprojekt der DFG „Beschreibung von Handschriftenfragmenten des Schlossmuseums Sondershausen“ in Jena beteiligt.  Seit 1.  Oktober 2002 war als sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittel- und Neulateinische Philologie im Institut für Klassische Altertumswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle tätig. 

Ab 2007 war ihr die Historische Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium anvertraut, zunächst als Mitarbeiterin des Leiters Hans Heid, nach dessen Pensionierung 2013 betreute sie die ca. 80.000 Bände umfassenden Bibliotheksbestände bis zu ihrem  Tod allein. Arne Pfirrmann, Bürgermeister der Stadt Rastatt, würdigte Heike Endermanns Verdienste um die Bibliothek in einem Nachruf so:

„Mit großer Fachkompetenz und beispielhaften persönlichen Einsatz hat sie dei Historische Bibliothek einem breiten Publikum geöffnet. Die von ihr betreuten Ausstellungen, Vorträge und Rundgänge fanden eine grße Beachtung und viel Zuspruch im Kulturkalender der Barockstadt.”

So zeichnete Heike Endermann verantwortlich für zahlreiche Sonderausstellungen in Rastatt, wie unter anderem die Begleitausstellung mit Vortragsreihe zum Lutherjahr 2017 unter dem Titel „Das bewegte 16. Jahrhundert und seine Folgen“. Regelmäßige Veranstaltungen in der Bibliothek, wie zum Beispiel turnusmäßige Angebote an die Rastatter Bürger, nach der Arbeit in die Bibliothek zu kommen, wo man dann alte Drucke und sogar Handschriften aus der Nähe betrachten konnte, und Führungen durch den Bestand wurden Teil des festen Kulturangebots der Stadt. Breitere Kreise des Publikums erreichte sie überdies durch eine Artikelserie im Badischen Tagblatt, in der sie seit 2014 in mehr als zwei Dutzend Folgen die „Schätze der Historischen Bibliothek“ veranschaulichte. Dem wissenschaftlichen Publikum stellte sie 2019 die Historische Bibliothek in Hiram Kümpers an der Universität Mannheim erscheinenden Periodikum  „Zeitarbeit“ vor.

Am 15. März 2021 ist Heike Endermann gestorben, einen Tag vor ihrem Geburtstag, an dem sie 56 Jahre alt geworden wäre. Über ihre vielen Verdienste hinaus, um die sie nie viel Aufhebens machte, behalten ihre Kollegen und ihre Freunde sie  als eine besondere und liebenswürdige Persönlichkeit in Erinnerung. Heike Endermann war ein feiner Mensch mit Herz und Humor, wir vermissen sie sehr.

Mit Karzer und Bibliothek – 600 Jahre Petrinum in Recklinghausen

Das Gymnasium Petrinum in Recklinghausen wird in diesem Jahr 600 Jahre alt. Eine Publikation zeigt die Schulgeschichte in 100 Objekten. Dazu gibt es einen etwa 12-minütigen Film, der ab ca. min. 6:50 zu den seltenen Flurwaschbecken, in den erhaltenen Karzer und in die historische Lehrerbibliothek führt, und zwar mit dem kundigen Lotsen Marco Zerwas, Lehrer, promovierter Historiker und Bibliothekar der Anstalt.

Schularchive-Wiki

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Das Schularchive-Wiki wird 2020/21 gefördert im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen von Wikimedia Deutschland. Das Wiki wird betrieben von der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, dem Informationszentrum Bildung des DIPF und dem Institut für Historische Bildungsforschung an der Ruhr-Universität Bochum

Eventuell auch für die Hüter der historische  Schulbliotheken mit deren archivalischen Beständen interessant?

Workshop am 26. März 2021

Bücherjäger. Kampf um das Wissen der Welt